Bringt Freude und macht selbstständig. Das Formenzeichnen

Im Wechsel mit dem Schreiben/ Lesen und Rechnen, gibt es die Tätigkeit des Formenzeichnens.
In meiner 2. Klasse, an einer Brennpunkt-Grundschule in Berlin, habe ich Täfelchen mit Tafelfarbe bemalt, so dass die Kinder auch mit Kreide auf Tafeln zeichnen können. Das spart Papier und bringt Freude.
Beim Formenzeichnen lernt man, eine bestimmte Form nachzuempfinden, den Verlauf, die Form der Windungen, um sie dann selbst auch zeichnen zu lernen. Üben tun wir dies mit dem ganzen Körper: Man zeichnet eine Form mit beiden Armen groß in der Luft, mit den Füßen, legt sich entsprechend auf den Boden, legt Seile in der Form oder zeichnet die Form in den Sand. Wenn man sich vertraut gemacht hat, zeichnen wir sie in unser Heft hinein und gestalten sie meist noch farbig schön aus.

Warum das? Der Prozess des Formenzeichnens schult die Wahrnehmungsfähigkeit.Es fördert Konzentration und Ausdauer, den Gleichgewichtssinn, die Auge-Hand-Koordination, bereit auf das Schreiben vor , macht sensibel für Ästhetik und Formensinn.. Ein Kind, welches Formen ohne Lineal und andere Hilfsmittel zeichnet, wird eigenständig und selbstsicher in die Welt gehen, es hat alles, was es benötigt, um einzuschätzen, wie weit es gehen kann….🙂

Sowassüßes…..

Wie kann man nur so verliebt sein in sein Enkelkindchen? Natürlich ist es eine Liebe, die sich gut anfühlt, die eine Verbundenheit, eine tiefe Hingabe und auch Demut beinhaltet. Demut vor dem Wunder „Leben“. Vor dem Wunder „Entwicklung“ .
Und wie tief dankbar bin ich dafür, so eine Liebe tragen zu dürfen, nun schon zum dritten Mal und fast bald zum vierten Mal. Und immer wieder ist es überwältigend, mit welchen Gefühlen so eine Neugeburt daher geht.

Menschsein ist wundervoll,wenn es ganz ist, wenn es atmet, wenn es still ist, wenn es sich ausdehnt und zusammenzieht.
Leben ist so groß wie ein Heißluftballon und noch viel größer. Und die Luft ist nicht bloß Luft, sondern zittrige, goldene und staubförmige Bewegung.

Waldorfpädagogik und Differenzierung

Waldorfpädagogik bedeutet ja für viele, die das Wort so hören, dass es etwas mit „Wald“ zu tun haben müsste. Also mit Natur, mit Erlebnis, auf jeden Fall mit Sinnesbeteiligung.

Das stimmt auch. 

In der Waldorfschule lernen Kinder ganzheitlich. Das heißt, sie lernen vom Realen Erlebnis zur Abstraktion zu kommen. Sie lernen mit Herz, Kopf und Hand.
Für den Mathematikunterricht könnte das bedeuten, dass der Lehrer beim Einführen des „Teilens“ zum Beispiel, ganz konkret von einem Gegenstand ausgeht, der auf Kinder verteilt werden soll.
Das mögen die Kinder sehr gerne und sie verstehen es auch meist besser, wenngleich es auch Kindertypen gibt, die sagen „so ein Quatsch, ich mache das mit den Zahlen zack zack“. Danach würde dieser Vorgang im ersten Beispiel Schritt für Schritt immer weiter abstrahiert werden (siehe Video unten).

Der Waldorfunterricht soll für alle Kinder so gestaltet werden, dass auch alle Lerntypen die Möglichkeit haben, im Unterricht mitzukommen. Manche brauchen Geschichten, andere brauchen möglichst viele Materialien, andere müssen selbst mit dem Körper dabei etwas tun,  und andere brauchen etwas, von dem ich noch gar nicht weiß….Und genau deswegen ist es gut, ab und an auch neue Lernwege kennen zu lernen, die meinen Blick als Lehrer weiten.
Ich erlebe nämlich in meiner Familie und in meinem Freundes-und Bekanntenkreis , dass nicht alle Kinder genügend Förderung in der Schule erhalten, um wirklich etwas können zu lernen und es danach auch sicher und nachhaltig übertragen zu können, selbstständig. So viele ehemalige Schüler haben das Gefühl, ihnen hätte da etwas gefehlt, gerade, wenn es um die individuelle Förderung geht.

In meinem Unterricht hat sich deshalb bewährt, dass ich die Kinder, die schnell etwas Neues „begreifen“ und auch „können“, als Mithelfer einsetze, denn es ist unmöglich für mich, 24 Kinder, von denen ca. 18 einen erweiterten Förderbedarf haben und 20 davon kein Deutsch zu Hause sprechen, alleine so unterrichte, dass ich allen gerecht werden kann. Ich muss andere Lernwege finden und dann, gemeinsam mit meiner Klasse, daraus etwas Eigenes machen. Dann ist es möglich, denjenigen besonders behilflich zu sein, die nur durch eine Lehrperson gefördert werden können.
Auf diese Weise entlaste ich  meinen Unterricht sehr, es ist nicht alles nur auf mich fokussiert, denn ich habe ja meine Helfer, die ihrerseits wiederum wahnsinnig viel lernen durch ihre Aufgabe, denn es ist wunderbar, irgendwann zu erleben, dass jemand etwas durch meine Hilfe gelernt hat und dass derjenige dies dann vielleicht sogar wieder einem anderen erklären kann. So dürfen dies die Kinder als Multiplikatoren und helfende Wesen auch erleben, was eine völlig neue Lernkultur schafft.

Als Waldorflehrerin an einer Staatsschule arbeite ich im Verbund mit anderen Kollegen im Team. Es ist zwar so, dass jeder Klassenlehrer seinen Unterricht alleine gestaltet und ausführt, dennoch aber tauscht man sich mit den Kollegen regelmäßig aus und bespricht konstruktiv,was sich bewährt und was es für neue Ideen gibt, so dass immer wieder die Aufrichtekräfte des Lehrers gestärkt werden können, weil man das Erleben teilt, dass etwas gut funktioniert. Anders würde es laufen, wenn immer nur über die Missstände, die es ja auch wirklich gibt und die katastrophal sind, gelitten und gejammert werden würde/ das kommt leider seeeehr oft vor und raubt mir als Lehrerin wahnsinnig viele Kräfte.
Selbstverständlich wollen wir als Lehrer nichts mehr, als dass die Kinder mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen, nachdem sie an einem Schultag lang in vielerlei Hinsicht beansprucht wurden.

Ich zeige nun hier einmal durch das Video von „Yalas Wiese“, einer neuen Graswurzelbewegung, wie so etwas konkret aussehen kann. Ich habe mich entschieden, mit Anne Peters tollen Ideen und Materialien meinen Rechenunterricht zu gestalten, so dass die Kinder nun auf der Sinnesebene noch mehr gefördert werden können mit dem Ziel, das Dividieren und Multiplizieren / die Voraussetzung für das Rechnen bis in die 13. Klasse hinein, wirklich zu erlernen.
Gestern hatte ich meine erste, ganz individuelle Fortbildung bei ihr.

 

Danke an Yaylas Wiese für diese tolle Unterstützung:

https://www.yaylaswiese.de/archiv/?p=15406

Was bedeutet das „Guru-Verständnis“ mir?

Hallo, meine lieben Mitlesenden,
das „Guru-Thema“ war für mich eigentlich bis jetzt noch nie ein Thema. Früher, als ich klein war, da gab es ja meinen Papa, der alles für mich war. Er war Gott für mich. Leitperson. Wirklich. Meine gesamten Kindheitserinnerungen fokussieren sich auf meinen Vater. Und obwohl ich dieses Thema lange psychotherapeutisch in Form von Biodynamischer Massage nach Gerda Boyesen und mit Hilfe von Reiki, Releasing und Cranio-Sacral-Therapie aufgearbeitet und losgelassen habe, weil es mich in der Tat nicht losließ und ich es auf andere Männer übertrug, taucht das Thema „Lehrer/ Guru“ in den letzten Jahren wieder intensiver auf. Zum Einen dadurch, dass meine ältere Tochter in einer anthroposophischen Arbeits- und Lebensgemeinschaft lebt und diese ziemlich radikal die Blutsverwandtschaft geringer stellt als die Seelenverwandtschaften, sodass ich sehr viele Konflikte mit meiner älteren Tochter auf diesem Gebiet habe und erschreckende Verletzungen aufgetreten sind, die ich als leibliche und liebende Mutter, die ihr Kind bewusst zur Welt und bewusst und leidenschaftlich gerne begleitet und gefördert zu glauben schien, nun völlig geschockt und vor den Kopf gestoßen bin mit meinen herzzerreißenden Gefühlen ;seit Jahren damit herum strauchele und nicht verstehe- einfach nicht verstehen kann, was da geschieht!
Ich erlebe den Menschen, der mir mit der allerliebste war, wie einen Fremden- weil der Einfluss des „Meisters“, des „Gurus“, des „Lehrers“, des „Geliebten“ so groß ist, dass es kaum auszuhalten ist mit anzusehen, wie diese Tochter sich selbst und alles, was sie mit der Vergangenheit verbindet, ausgrenzt, abschaltet, ignoriert, weglegt, wegtrampelt…. Dieser Schmerz darüber war viele Jahre für mich kaum auszuhalten und ist es immer noch nicht. Ich habe gelernt, ihn zu verdrängen, anzunehmen, damit er mich nicht tötet. Das meine ich ernsthaft: Tötet.

Und nun erlebe ich zeitgleich von Außen, ohne Schülerin zu sein, seit ca. 13Jahren eine andere Lehrer-und Guruschaftsbeziehung, die ebenso leben kann und darf, in der Gemeinschaft der Anahata-Akademie, die von Feldema und Sebastian Gronbach gegründet wurde (ich habe hier in meinem blog auch bereits schon früher davon berichtet).
Dort beobachte ich, dass deren Schüler weltoffen sich entwickeln, Freude am Leben haben, aktiv ihre Ideen und Visionen in die Welt tragen, sich entwickeln und Glück ausstrahlen. Ich selbst bin wie gesagt keine Schülerin, nur stille Beobachterin, die wahrnimmt, wie sich einige Menschen dort weiterentwickeln.
Jedoch fühle ich seit Anfang an eine sehr starke Verwandtschaft, ja, so etwas wie eine Seelenverwandtschaft mit ihnen. Ein großer Teil meines Selbstes liebt diese Gemeinschaft. Liebt das Gemeinsame, die Hülle und den Guru.

Das Thema der Meisterschaft, der Schülerschaft und das des Mutterseins bindet mich, auch beruflich. Ich bin Lehrerin und zutiefst damit befasst, eine zukunftsweisende Pädagogik in eine staatliche Grundschule zu tragen. Dort erlebe ich die Dreiheit der genannten Substantive (Meister, Schüler, Mutter) , die gleichzeitig auch Verben sind:Das Lehren, das Lernen und das bedingungslose Geben/ Lieben / Annehmen.

Diese drei Komponenten lebe ich in meinem Beruf, also versuche mein Bestes.

Und ich wünschte mir da oft einen Coach, jemanden, der mir einen Tipp gibt, der mich wieder aufmuntert, wenn ich gefallen bin oder der mir Mut macht und mich inspiriert, wenn ich kaum noch an meinen Weg glauben kann. Ja, so jemand kann auch nicht immer mein Ehemann sein. Weil in manchen Fällen die Objektivität, die Sicht auf das Größere, das Alleinssein fehlt, mehr Empathie vorhanden ist und dazwischen lebt als eine dritte Instanz dies täte. Also, die Instanz, die ich da meine. Und bis jetzt ist es so, dass diese dritte Instanz sich beizeiten mir subtil zeigt. Durch ein Gefühl des Soges, ich erhalte Hilfen, Antworten und Inspiration, wenn ich Yoga mache, Laufen gehe, mit meinen Schülern singe, gärtner oder z.B. stricke. Wenn ich loslasse und ganz offen und still mit mir bin.

Ob dies das Gleiche ist wie das, wenn ich einen Guru hätte, das weiß ich nicht.
Ich weiß nur, dass ohne einen Guru kein Mensch dazwischen ist, der in irgendeiner Weise etwas steuern oder beeinflussen könnte. Ist das immer gut?

Das „Dazwischen“ ist gefühlt die feinstoffliche Kommunikation mit dem Zukünftigen, was präsent wird in der Gegenwart. Etwas, was ruft und werden will. Es fühlt sich fein, zart, wahr und freundlich an. Es ist Liebe und gleichzeitig auch noch materialistischer- vielleicht etwa wie ein Engelwesen, welches meine Hand hält. Ja, so ungefähr fühlt sich das an.

Ich sehne mich nach Gemeinschaft, spiritueller vor allem, auch nach unkomplizierter, nach einer, die einfach da ist. So wie damals, als ich noch in meiner eigenen Familie lebte und wir alle gemeinsam aßen, mit den Freunden meiner Kinder und auch Freunden von mir- Heute also unbeschwert mit meinen Enkeln und mit denen, die dabei sein wollen, von Zeit zu Zeit.

Diese Art der Gemeinschaft fehlt mir jetzt, sie muss erst erschaffen werden. Aber da meine Arbeit mich so sehr füllt, kreiere ich aus diesem Ruf aus mir heraus danach nichts dies bezüglich Suchendes. Ich bin zu müde dafür.
Noch. Stattdessen genieße ich die Gemeinschaft innerhalb meiner Klasse, mit meinen unmittelbaren Kollegen, die mir auch gedanklich nahe sind.

Im Moment wollte ich das Thema für mich klar darstellen, auch öffentlich. In Holland nennt man den Zustand des „Klärens“, „helder“ worden.

Klarer bin ich geworden durch die Kommentare, die auf Fb geäußert wurden. Diese wiederum ließen mich nochmals schärfer und differenzierter urteilen über das Thema.

Danke vielmals für das Lesen und Mitarbeiten zu (im Moment) so später Stunde.

Erwarte nichts,mach trotzdem weiter

….das sage ich mir heute. Mit 54 Jahren. Nachdem meine beiden Töchter erwachsen sind, ihr eigenes Leben leben und ihre eigenen Kinder begleiten.
Und wie war es, als ich selbst mitten drin war in der Elternzeit? Welche Ideale hatte ich, was glaubte ich, mit meiner Begleitung meiner Kinder alles in ihnen anzulegen? Welche Wünsche hatte ich für sie? Was trug ich lebendig und tatkräftig dazu bei, dass alles möglich werden würde, wenn ich nur weiter Liebe lebe: unterstütze, fördere, füttere , halte, pflege, beschütze, loslasse, vertraue, vergebe, ermutige, mich heraus nehme, verzichte, weil ich sehe, dass andere Dinge für meine Kinder im Moment wichtiger sind als meine eigenen, egoistischen Wünsche?
Das alles mit dem Fokus darauf, dass es gut werden wird. Dass meine Töchter lernen, Glück zu empfinden, lernen etwas zu tun, was ihnen Freude bereitet, Freundschaften eingehen,die sie weiter bringen. Erfahrungen machen, die sie für ihre Entwicklung brauchen.

Das alles und viel mehr durchlebte und durchlebe ich auch jetzt noch, als Mutter. Und so unterschiedlich, wie die Kinder auf die Welt kamen, so unterschiedlich gehen sie in die Welt hinaus, haben kräftige oder zartere Beine, die sie tragen, bringen Früchte dar, die unterschiedlicher nicht sein können. Sind in ihrer Individualität so unterschiedlich, dass es kaum zu glauben ist.
Und wenn meine Hoffnung nun auch war, dass ich mit meiner Fürsorge, Bewusstheit, was Lebensmittelversorgung, Schulbildung, musischer Förderung, individueller Förderungen ( Reiten, Heileurythmie, Kinesiologie, Homöopathie, Cranio Sacral Therapie, Reiki…) allzeit lebensfrohe und glückliche Frauen mit „aufziehen“ und begleiten durfte, so muss ich nun erkennen, dass die Spuren, die ich anlegte, in keiner Weise voraussehbar oder zu erwarten sind. Es ist nichts zu erwarten.

Es geschieht.leben geschieht. Auch ohne meinen Einfluss. Auch ohne mein Zutun, es kommt das auf sie zu und damit auch auf mich, was unabsehbar und doch so genial wichtig für sie ist.
Entscheidungen werden getroffen, die nicht immer sichtbar richtig sind, große Weichen werden gestellt, die man nicht so leicht rückgängig machen kann. Strukturen und Verbindlichkeiten werden eingegangen, Hunde werden angeschafft, Kühe, Kaninchen, Pferde, Hühner…spirituelle Lebenswege gegangen oder nicht. Entscheidungen werden eben getroffen, ob unbewusst oder bewusst.

Wenn ich nun alles nochmal von vorne machen würde, was machte ich anders?

Ich weiß es nicht. Es käme. Es käme oder nicht. Und es wäre genauso, wie es sein muss, in dem Moment.

Meine Töchter und meine Kindeskinder: Ich liebe Euch sehr. Gott beschütze Euch ewiglich.

Geschenk: Ein paar Sonnenblumenkerne an Dich……Von dieser wunderbaren Kraft.

Schmunzeln ……

Langsam aber stetig gehen die Früchte meiner Arbeit auf. Was anfänglich wie eine auf mich zu rollende Welle erschien, die mich zu erdrücken versuchte, erlebe ich nun, dass ich zwar angestrengt und ausgepowert hindurch geschwommen und getaucht bin, nun aber stiller Ozean vor mir liegt, der so vieles öffnet an Möglichkeiten.

Wenn Du im staatlichen Schulsystem arbeitest, dann könntest Du ja erstmal denken, nicht viel Einfluss auf alles haben zu können, was Dir dort begegnet. Das aber ist nicht richtig. Es ist sogar falsch. Du, also ein Einziger hat die Kraft, die Maschienerie in Gang zu setzen. Vielleicht nicht gleich, weil es auch auf Deine Entwicklung und Deine Fähigkeit ankommt, Konflikte austragen zu können und im richtigen Moment zu begreifen, dass es doch der falsche Ort ist, an dem Du Dich andocken willst und lieber weiterziehen musst, doch wenn Du Deinem Wege treu bleibst und die Schüler im Fokus Deiner Arbeit hast, genügend Freunde, die Deine Arbeit unterstützen und Dich auf diese Weise mittragen, dann kannst Du Großes bewirken, in diesem manchmal so engen Schulsystem/ Korsett.

Wenn Du das Gefühl hast, durchgekommen zu sein, dann steht Dir alles offen, so, wie ich es oben mit dem Ozean beschrieb. Es glitzert von den Sonnenstrahlen, Du hast überall Entfaltungsspielraum und es hängt nicht mehr alles nur von Dir ab, denn Du erntest göttliche Kräfte, Du erntest Möglichkeiten, die sich auf Deinem Wege plötzlich ergeben. Wie von selbst tun sich Chancen auf, von denen Du nie gedacht hättest, dass es diese gäbe.

Ich kann Dich darin bestärken, Deinen Weg, den Du Dir vorgenommen hast, weiter zu gehen, auch, wenn es so aussieht, als wäre es ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das ist es auch, aber es tröpfelt mehr, es tröpfeln auch viele Tränen, Tränen der Entmutigung, Tränen der Trauer, der Verzweiflung und es tröpfeln Freudentränen, Tränen, die Dich ganz tief in Deinem Inneren berühren, die Dich schmelzen lassen, die Dein Herz weiter offen halten und ohne dass Du danach Furcht vor neuen Verletzungen hast, siehst Du die Herausforderungen ganz anders, Du freust Dich auf sie, Du reitest freudig auf den Wellen und stehst gerade oben, mit offener Brust und mit einem freundlichen Lächeln in Deinem Gesicht.

 

Du weißt nicht, mit was Du Dir treu bleiben sollst?   Nun, finde es heraus…..

Fülle

Im Juni, nach der Johannizeit ist die große Wachstumsphase der Pflanzen abgeschlossen, alle Kräfte konzentrieren sich nun auf die Ausbildung der Früchte.
Wie voll ist es doch draußen in der Natur, man nimmt die strotzenden Kräfte in ihrer ganzen Potenz so schön wahr.
In der Tierwelt begegnet einem die Fülle manchmal auf dem Fußweg. Watschelnde Enten prominieren stolz mit hinterher laufenden Kinderchen an einem vorbei.

Wie ist das mit uns Menschen? Können wir einen Zusammenhang zwischen den Naturphänomen draußen und unseren seelischen Empfindungen und Wahrnehmungen herstellen?
Im anthroposophischen Seelenkalender von Rudolf Steiner steht für die 13. Woche in der Zeit vom 30.Juni -6.Juli folgendes.

„Und bin ich in den Sinnenhöhen,

So flammt in meinen Seelentiefen

Aus Geistes Feuerwelten

Der Götter Wahrheitswort:

In den Geistesgründen suche ich ahnend

Dich geistverwandt zu finden.“

Ich lese den Spruch davor und den Spruch danach und erlebe mich dabei in einer Art des Suchens, ein wenig verworren und im Außen verwebend, nicht wirklich Kraft meiner Gedanken, sondern eher träumenderweise und in aller Ruhe mich entspanndend, empfangend das, was durch mühevolle Arbeit die Monate zuvor gesät und angelegt wurde.

Auf meine berufliche Situation mit den Kindern meiner ersten Klasse bedeutet das nun, langsam wirklich auch wissen und nicht nur ahnen zu können, welch Schatz dort auf die Erde kommt in Form von Selbstbewusstheit, Präsenz, Kreativität und Tatendrang. Was die Kinder in einem ersten Schuljahr erlernen, bleibt vielfach in der Form hängen, gleichzeitig aber impulsiert das Innere der Form eine Lebendigkeit, die gerade, nun jetzt in dieser Zeit, kaum auszuhalten ist. Es bildet sich ein Schatz, dessen Früchte noch nicht geerntet werden , ein wenig Zeit mag noch bleiben. Voller Hoffnung sehe ich der Zeit entgegen, denn zum ersten Male fühle ich mich in der Lage, wirklich sehen zu können.

Willensschulung durch wunderbare Tätigkeiten

Auf dem Lande zu leben kann ganz schön langweilig sein, wenn man sich keinen Sinn geben kann. Zum Glück war das bei meinen Kindern  nicht der Fall, denn sie haben sich Sinn gegeben, in dem sie bei den Bauern Pferde pflegten, lernten zu reiten, die schönsten Abenteuer erlebten in Wald und auf den Wiesen.

Nicht immer leicht war es, die Verantwortung für die Pferde auch wirklich täglich zu ergreifen. In der heißen Sommerglut die Ausläufe abzuäppeln war anstrengend und nervig und doch war es notwendig, denn die Pferde mussten ja gut versorgt werden, bevor sie geritten werden konnten.

In den Ferien wurde dann auch die Kutsche vor gespannt und damit nach Cuxhaven gefahren, um von dort aus die Insel Neuwerk zu erreichen. Drei Wochen Ferien dort, mit den Pferden, das war jahrelang das größte Ziel in den Sommerferien. Reiten im Schlick, Freude haben mit den Pferden und mit den Freundinnen. Kutschfahrten, Lagerfeuer .

Auch  fuhren sie in den Herbstferien einmal eine Woche lang mit der Kutsche los, in Richtung Wendland. Haben gezeltet, am Lagerfeuer gekocht und gesungen, im Freien geschlafen oder in der Kutsche.

Das alles konnten wir gemeinsam erleben, auch ohne dass wir uns eigene Pferde leisten konnten. Indem die Mädels dafür arbeiteten, jeden Nachmittag. Und wenn Englisch Vokabeln auf dem Plan standen, dann wurden die manchmal eben nicht sofort gelernt, aber später dann viel schneller……als auch da der Bezug zum Leben klarer wurde.

Warum denke ich an diese Zeit zurück? Weil ich Eltern ermutigen möchte, sich ebenfalls Abenteuer mit ihren Kindern zu suchen. Überall ist das möglich- es müssen nicht immer Pferde sein….aber dass es etwas sein sollte, steht fest. Viel Spaß auf der Suche und glauben Sie daran, dass Ihr Kind alles erreichen kann, was es gerne erreichen oder tun möchte.