Methoden neu erfinden

Welche Methoden gibt es, Lerninhalte an kleine Menschen weiterzugeben?
Innerhalb der ersten Lebensjahre ist es die Nachahmung, mit Hilfe derer ein Kind freudig und motiviert übt und sich die Welt erschließt. Es versucht sich, scheitert, versucht es nochmals, bis es eben klappt. Erinnere Dich an das Fahrradfahren lernen, da war es doch so oder? Du hast nicht eher aufgegeben, bevor Du es endlich geschafft hast! Was für ein Erfolg das war, Du wirst es Dein Leben lang nicht vergessen.

Später dann, in der Schule, da erinnere ich mich auch an vieles dergleichen. Wie habe ich letztendlich das Lesen gelernt? Ich habe so lange selbstständig geübt und probiert, Laute zusammengezogen und gestottert, bis ich es endlich flüssig konnte, eigenständig lesen. Und von da an erschloss sich mir eine ganz neue, phantastische Welt. Ich war viel selbst bewusster, eigenständiger, Welt offener, mit dem Hintergrund, nun ab jetzt (gefühlt) alles Wichtige von Außen erlesen/ verstehen zu können.

Es begegnen mir in meiner Arbeit heute Kinder, die vieles, was mir damals selbstverständlich war; wie raus gehen dürfen wann ich wollte, Heim kommen wie abgesprochen, herum streunen mit Freunden aus der Nachbarschaft usw., in Kieskuhlen hohe Berge runter springen und in fremden Gewässern schwimmen, auf fremden Ponies reiten, auf Kuhwiesen gehen um sie zu streicheln….. , mit den Bauern mit auf´s Feld fahren um  stundenlang ohne Wasser und Essen Kartoffeln zu  ernten und hinterher auf dem voll bepackten Kartoffelanhänger liegen….  und vieles mehr, was einfach bombastisch toll war… So etwas erleben zumindest Kinder, die in Ballungsgebieten leben, heute wenig bis gar nicht.

Ist es da nicht Aufgabe der Schule, den Kindern das Leben ein Stück weit zu einem Abenteuer zu gestalten? Mit ihnen so oft es geht Wanderungen zu machen, Verstecken zu spielen, Berge hinunter zu laufen, Bauernhöfe zu besuchen….Handwerke zu erlernen, Meister dieser zu besuchen, Erlebnisse zu schaffen, die den Kindern zu Erinnerungen werden? Ist es nicht ein dringendes Muss, als Lehrer und Erzieher heute so vorzugehen, dass der ganze Mensch gefördert, geachtet und angeregt wird?

An vielen Schulen, gerade an Brennpunktschulen , wird der Focus auf das Erlernen der deutschen Sprache gelegt.Weil über 3/4. der Klassen förderbedürftig in Deutsch, Mathe und Sachunterricht sind und weil eben zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, weil die Eltern dies auch nicht können, verharren die Kinder in einem „Stammelwortschatz“, den man als Außenstehender kaum versteht. Sie sprechen nur Satzfragmente, können Fragen nicht beantworten, verstehen nicht, was man gerade von ihnen will… Wie komme ich da an die Kinder heran, anders, ohne Sprache aber so, dass das Bedürfnis, die Sprache zu erlernen, angeregt wird?
Ich muss mir also Methoden aneignen, die über die gängigen Methoden hinaus gehen. Ich schaffe Atmosphäre im Raum, die es ermöglicht, den Kindern Wege aufzuzeigen, immer mehr und immer wieder lernen zu wollen, zu scheitern und wieder aufzustehen. Alleine, aber in Gemeinschaft und in einem Schutzraum, der nicht beurteilt wird.

Schwarz / Weiß Kopien ausfüllen nein, das reicht wohl kaum. Das wird keinen Menschen inspirieren…  Förderstunden in der nullten Stunde und nach der Schule extra besuchen, das wird nicht das sein, was diesen Kindern wirklich helfen kann.

Handwerke zu erlernen, mit denen sich Sinnvolles gestalten lässt z.B., das ist in dieser Woche mein Projekt innerhalb einer Methodenwoche, in der wir verschiedene, bekannte Methoden wie Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Einzelarbeit usw. erüben sollten.
Da ich eben gerne mit den Kindern künstlerisch/ handwerklich und musikalisch arbeite, habe ich mich entschieden, Volkstänze einzustudieren und das Weben zu erlernen. Normalerweise lernen Kinder das in Waldorfkindergärten, in herkömmlichen Kitas eben nicht, so dass die Feinmotorik kaum ausgebildet ist und die Kinder selbst für eine scheinbar so einfache Tätigkeit wie das Weben, stundenlanges Üben brauchen, bis sie es eben können. Und sie werden es am Ende der Woche können, davon bin ich überzeugt, der Weg dorthin ist sehr spannend zu beobachten.
Heute hatte ich Unterstützung von unserem Yoga Lehrer, der auch Reiki gibt und Heilpraktiker ist. Ich hatte ihn gebeten, eine Stunde lang Reiki in unserer Klasse zu geben, an uns alle, als Gruppe. Es war schon herrlich, zu erleben, wie die Stimmung sich dadurch zusätzlich verbesserte. Es wurde ruhiger, wärmer, konzentrierter, die Kinder kamen leichter zu sich und in ihre Arbeit hinein.

Wenn wir heute alle Kinder gemeinsam in einem Klassenraum unterrichten Kinder, die aus Notunterkünften, Gettos oder riesen Hochhausblocks kommen, Deutsch kaum sprechen, Förderbedarfe im Psycho Sozialen, im Lernen und in der Geistigen Entwicklung haben, in Klassen, in denen es vielleicht drei Kinder gibt, die heute als hochbegabt in Schubladen gesteckt werden, weil sie sich ganz altersgemäß entwickeln, dann brauchen wir zu unseren bisherigen Methoden auch noch weitere Herangehensweisen , mit denen wir Kinder unterstützen können.
Handwerke, Bewegung, Eurythmie, Yoga, Sport, Musik, Kunst und Reiki…und mit Sicherheit noch einiges mehr, um den Fragen der Kinder, die in den Augen leuchten, in irgendeiner Form gerecht zu werden.

Es braucht Mut, um dies in unser Schulsystem zu packen. Und es braucht Durchhaltevermögen, mit Kollegen zusammen zu arbeiten, für die das alles ganz neu und unbekannt ist….

 

Es wird…., denn es hat schon begonnen, die Wende zum Licht!

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