Gesponnen, visionär…

Hey, so, jetzt mal etwas Gesponnenes, Visionäres, vermutbar Gelingendes.

Die meisten wissen, dass Waldorfschulen sehr häufig als Eliteschulen bezeichnet werden. Dass dem nicht so ist, lässt sich im Grunde ganz schnell klären, wenn man auf den Grundgedanken Steiners zurückschaut, der nämlich eine Einheitsschule für alle Kinder gründete. Unabhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern, unabhängig von irgendeiner Religionszugehörigkeit und unabhängig von der Kultur, aus dem die Familie stammt.

Inzwischen erlebt man doch sehr stark, dass an vielen Waldorfschulen ein anderer Geist lebt. Und der Gedanke, aufgrund dessen die Waldorfschule auch methodisch und ideell mehr in das staatliche Schulsystem zu integrieren, war der Ansatz vieler Menschen. Auch meiner, denn ich unterrichte ja an einer staatlichen Schule.

Nun merke ich allerdings, dass diese Integration zu enormen Hindernissen führt. Und diese liegen gar nicht mal nur in dem System „Schule“ oder „Lehrer“ an sich. Viel mehr liegen diese Hindernisse in den Kindern, die sich im Zuge der im folgenden beschriebenen Entwicklung von sich selbst entfernen mussten und ihre wahre Idenität verleugnen, um überleben zu können. Alle möglichen Syndrome, die heute auftreten, verdeutlichen dies.

Wenn man sich anschaut, wie Kinder heute in das Leben getrieben werden, beginnend mit der Geburt, die zu einem bestimmten Zeitraum festgelegt wird, damit das alles beruflich, zeitlich, familiär usw. auch „dazwischen passt“ (ich übertreibe bewusst!)….kann man sich lebhaft vorstellen, wie das Leben mit einem Neugeborenen heutzutage abläuft, zumindest in den meisten Fällen.
Eine natürliche Intuition, die dazu führt, dass frisch gebackene Mütter und Säuglinge sich tiefgründig verbinden, gibt es heute nicht mehr. Ganz andere Prioritäten stehen an. Zum Bespiel das Thema „Zeit“. Wie lange hat eine berufstätige Mutter heute Zeit, sich ganz auf ihr Kind einzulassen? Und hat sie währenddessen wirklich Zeit oder muss sie dafür sorgen, in dieser Zeit eine Kleinkindbetreuung zu finden, in die sie das Kind vertrauensvoll nach ihrer Erziehungszeit geben möchte? Das stresst ungemein. Wie sieht es dann mit dem Stillen aus? Es ist bekannt, dass das Stillen die beste Möglichkeit ist, dem Kind sowohl Zuneigung, als auch die optimale Ernährung zu geben, die für die Bildung eines starken Immunsystems verantwortlich ist. „Goldene Milch“ für das weitere Leben sozusagen. Ich erlebe immer weniger Mütter, die ihre Kinder wirklich über einen längeren Zeitraum stillen. Unter anderem ist es auch so, dass aufgrund des ganzen Stresses um die Weiterentwicklung der Familie und Karriere, die Michproduktion leicht stagnieren oder sogar versiegen kann. Viele Kinder werden so zwangsläufig abgestillt und Eltern sind genötigt, ihre Kinder mit industriell hergestellter Folgemilch usw. zuzufüttern oder eben ganz abzustillen. Der Kreislauf hat dann bereits begonnen. Wer kocht heute noch selbst für seine Kleinen? Meistens reicht Fertigware, die oft auch abends vom Pizzaservice gebracht wir….“um es sich einfacher zu machen, bei dem Stress“.
Ja. Danach sollte eigentlich Kindheit beginnen. Heute beginnt die in der frühkindlichen Betreuung, mit viel zu wenig Personal für viel zu viele Kinder. Ein Leben wie in einer Fabrik, oft über 8 Stunden lang. „Kindheit?“ Freies Spiel, Abenteuer in der Natur, erst dann nach Hause kommen, wenn man Hunger hat? Das gibt es alles schon längst nicht mehr.
Ich stoppe mit einer weiteren Aufzählung, weil es allen deutlich ist, wie leicht man in diese doch extrem dargestellten Muster hinein gerät. Auch Eltern, die bewusster mit der Aufgabe umgehen, stellen andere Prioritäten in den Vordergrund ihres Lebens, als die, die auch einen positiven Effekt auf das Leben als Ganzes haben könnten.
Kindheit findet nicht mehr statt, einer Beziehungskultur steht vieles im Wege. Frühzeitige Digitalisierung, die bereits im Kindergartenalter einsetzt, führt zu Störungen im ganzen Menschen und zu gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen, die bereits erahnt werden können.

Das alles will ich nicht mehr unterstützen. Tue ich es doch täglich, indem ich diese Struktur mit gestalte und damit aufrecht erhalte. Als Arbeitnehmerin, Dienstleisterin, zur Deckung der Bedürfnisse des Staates, der sich aus Kindern, Eltern und der gesamten Gesellschaft zusammensetzt und zur Deckung meines Lebensunterhaltes.

Meine Idee nun. Und die ist ziemlich extrem. Sorry, es ist eine Idee. Und ich bitte um Kommentare dazu! Manchmal brauche ich das Rütteln von Außen, um wieder auf die Erde zu kommen. Dennoch habe ich gerade nicht das Gefühl, so weit von der Erde entfernt zu sein.

Meine Vision ist es, eine Schule mithilfe eines wohlhabenden Sponsoren zu gründen, der für diese Schule brennen könnte (Yogaschulen, Meditationsschulen etc.) .

Es würde  sich um eine öffentliche Privatschule handeln.

Nur diejenigen Eltern bekämen einen Platz für ihr Kind, die sich von vornherein schriftlich bereit erklären, diese Schule für ihre Kinder wirklich zu wollen und mitzutragen.
Wir würden im Voraus ein Aufnahmeverfahren durchführen.

Das Schulgeld müssen die Eltern zum Großteil in den ersten Jahren selbst aufbringen, nach der Frist bis hin zur staatl. Unterstützung einen Teil davon.

Die Schule ist unabhängig von kulturellem oder religiösen Hintergründen. Deutsch ist die Hauptsprache, jedoch gibt es die Möglichkeit, über Englisch und Spanisch hinaus auch andere Sprachen zu erlernen.

Feste werden, bezugnehmend zu den Jahreszeiten gefeiert und ritualisiert, jedoch werden Feste bewusst offen und keiner religiösen oder kultischen Tradition unterworfen. Innerhalb des Unterrichts wird versucht, ein offenes, integrales und tolerantes Weltbild zu leben.
Ein ethischer, weltoffener, kulturverbindender Unterricht und ein entsprechend ausgerichtetes Schulleben wird angesterbt.Praktiziertes Yoga wird diesen Ansatz öffnen.

Das Gebäude / Innengelände wird entsprechend futuristisch und ökologisch entworfen und gestaltet. Es gibt im Innenbereich alle erforderlichen Klassen- und einige, große Bewegungsräume. Auch kleinere Räume für Einzelanwendungen/Heileurythmie , Chirophonetik, Heilmassagen…..Außerdem gibt es einen Malort, in dem ausschließlich gemalt werden kann. Kunst- und Werkräume, Musik- und Orchesterräume, Begegnungsräume, Cafeteria und Mensa, in dem es nur biol., fleischfreies Essen gibt.

Eine große Halle mit Bühne und Theaterbeleuchtung, auch für öffentliche Veranstaltungen, die über das Schulleben hinaus gehen.

Unterricht: In der großen Halle/Aula wird morgens mit allen Mitarbeitern und Schülern eine Stunde Yoga gemacht, anschließend  wird meditiert. Diese Praxis ist verbindlich und durch keine disziplinarischen Zwischenfälle unterbrochen! Jeder Teilnehmende verpflichtet sich, diese Stunde eigenverantwortlich und in Selbstdisziplin durchzuführen.Sollte dies nicht möglich sein, kann eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Schüler unterbrochen oder aufgehoben werden.

Erst danach findet Unterricht in den einzelnen Klassenräumen statt.
Der Unterricht orientiert sich am Waldorflehrplan Rudolf Steiners: Es findet epochaler Unterricht statt, Eurythmie und Theater haben einen hohen Stellenwert. Außerdem die Künste und ein aus dem Künstlerischen heraus gestalteter Unterricht.
In der Oberstufe wird zusätzlich mit digitalen Medien gearbeitet, um den Unterricht aus der zentralen Rolle des Lehrers heraus zu holen und auch Schüler mit weniger guten Leistungen stärker in den gemeinsamen Arbeitsprozess mit einzubeziehen.

Lehrer müssen eine Lehrgenehmigung und außerdem eine Waldorflehrerausbildung absolviert haben, bevor sie anfangen an der Schule zu arbeiten. Eine entsprechende Affinität zur Yoga-Praxis und zu den Künsten ist Voraussetzung für eine gemeinsame Arbeit.
Die Schule wächst von Klasse 1-12 hoch. Erstrebenswert ist der Beginn mit den ersten drei Klassenstufen.
Ziel ist das internationale, wenn möglich, das dem Abitur gleichgestellte Abgangszeugnis nach der 12. Klasse (hängt von der gesetzlichen Entwicklung bis dorthin ab).
Die Künstl. Prüfung in der 12. Klasse und die Jahresarbeit sind Teil und Vorleistungen für das Portfolio der Prüfung.Ansonsten ist der MSA Abschluss möglich, sowie der Abschluss der Fachhochschulreife.

Schulgelände:

Das Außengelände verfügt über Sport- und Bewegungsplätze, hat einen weitläufigen Naturspielplatz und einen großen Baumbestand. Auch ein Natursee soll dort sein.
Tiere befinden sich auf einem kleinen, selbst betriebenen Bauernhof, der ebenso in das Unterrichtsgeschehen mit einbezogen wird.
Ein umfangreiches Schulkonzept wird erarbeitet.

Die Schule ist nicht verpflichtend bis in den Nachmittag hinein zu besuchen. Viel mehr soll möglich sein, durch selbst initiierte Projekte ein gemeinsames Arbeiten in kleineren und bei Bedarf größeren Gruppen möglich zu machen.
In teams, die von Lehrern und Schülern situativ gebildet werden, wird auf demokratischer Basis gemeinsam Neues erarbeitet, um dem Ganzen zu dienen.

Hausaufgaben ergeben sich individuell.

Auch die Lehrer arbeiten in selbst zusammen gesetzten teams, die sporadisch variieren.
Konferenzen finden einmal wöchentlich statt.
Die Mitarbeit der Mittelstufen- und Oberstufenschüler ist extrem wichtig. Auch die Möglichkeit, sich im Laufe der gesamten Schulzeit als „Multiplikator“ ( Kinderlehrer für Kinder und Lehrer) einzubringen, besteht.

Ein Vorbild für diese Schule gibt es meines Erachtens nicht, bitte helft mir durch Eure Kommentare weiter, geeignete Sponsoren und interessierte Eltern zu finden.

Kommentare sind unten zu hinterlassen. Danke vielmals!

Was soll dieser Blog eigentlich? Schulzwang ade, bitte!

Du erhältst hier in meinem Blog weder irgendwelche Angebote, noch Produkte, Dienstleistungen oder „Schnäppchen“.
Warum also schreibe ich hier für Dich? Auch wenn ich damit überhaupt nichts verdiene, kein zusätzliches Einkommen erziele?

Es liegt mir am Herzen davon zu erzählen, wie ich in einer Grundschule tätig bin. Das, was ich dort täglich mit den Kindern erlebe und gestalte, ist zwar individuell, aber  nicht einzigartig!
Es gibt so viele, bewegte und beherzte Lehrer, denen das Wohl der Kinder und deren Entwicklung wichtig ist. So viele, die sich mit neuen Ansätzen beschäftigen, denen es in allererster Linie wichtig ist, das seelische Wohl des Kindes im Unterricht wahrzunehmen und Wert zu schätzen, vor allen Leistungsanforderungen.

Jeder Lehrer ist anders geprägt, aber jeder ist auf einem Entwicklungsweg. Und glaube mir, niemand möchte gerne unbeliebt oder als schrecklicher Lehrer da stehen.
Jeder Lehrer arbeitet anders. Und das ist gut. Nur, wenn man authentisch und von ganzem Herzen heraus das tut, was man für richtig hält, kommt es auch bei den Kindern an. Gerald Hüther spricht von der Begeisterung, die ein Kind empfinden kann und die es motiviert. Wenn der Lehrer begeistert ist und sich mit dem, was er darbietet und tut, im Einklang ist, dann springt der Funke auch über. Und mit Sicherheit ist es immer so, dass man als Lehrer das Bedürfnis hat, es am nächsten Tage noch besser zu machen als an diesem.

Die Flucht und die Ablehnung von Schule und Kindergarten ist ja ein Resultat aus dem Gefühl oder der Erfahrung heraus, dass ein Kind in der Schule nicht frei und selbstbestimmt lernen könnte.
Jedoch empfinden das meist die Eltern so, die sehr wenig Einblick haben in das Schulleben als Ganzes.
Natürlich gibt es vom Lehrer vorgegebene Themen und Aufgaben zu bewältigen. Diese wiederum orientieren sich aber an dem, was ein Kind entwicklungsmäßig in der Lage ist zu erfüllen. Im ersten Schuljahr gibt es demnach andere Lernschritte zu erfüllen als im 10. Schuljahr, logischerweise. Es baut alles aufeinander auf und jeder Schüler ist mehr oder weniger motiviert. Kinder, die einen begeisternden Lehrer haben, mit dem sie eine gute Beziehung aufgebaut haben, erleben ihren Schulunterricht natürlich positiver als Kinder, die vom Lehrer gelangweilt sind und kaum Bezug zu ihm haben.
Diese Dinge können im Gespräch zwischen Eltern, Lehrern und Schülern thematisiert werden.
Durch achtsame Gespräche wird in einem solchen Gespräch jeder Teilnehmende eine Erkenntnis gewinnen und es wird etwas daraus wachsen dürfen. Es wird sich also etwas verändern, hoffentlich für alle Beteiligten auch verbessern.

Ich möchte Eltern dazu ermutigen, ihre Kinder wieder mit mehr Vertrauen in staatliche Schulen zu schicken und diese nicht von vornherein zu verteufeln. Es gibt dort auch tolle Pädagogen, die ihren Auftrag ernst nehmen und ihren Beruf lieben und keinen anderen haben wollen.

Das gibt es an staatlichen  und auch an privaten Schulen.
Und das gibt es an Waldorfschulen.
Beim Freilernen gibt es das nicht. Da gibt es kaum Menschen, die einem Sorgen bereiten oder durch die man auf Widerstände stößt. Sind es nicht aber gerade die Widerstände, die uns reifer machen und uns auch weiter wachsen lassen?

Auf keinen Fall möchte ich hier die Freilerner verteufeln. Ich habe viele Kinder erlebt, die so selbstständig und „eigenwijs“ waren, dass sie Zuhause am besten lernen können oder dort, wo sie es sich eben erlauben.
Viel eher möchte ich plädieren dafür, dass jeder Mensch eine freie Wahl haben sollte, dass es keine generelle Schulpflicht geben sollte. Warum? Ehrlich gesagt wünsche ich mir motivierte Kinder, die es Wert schätzen, dass sie unentgeldlich die Schule besuchen dürfen, dass sie würdigen, dass es dort Menschen gibt, die sich für sie einsetzen und sich um sie kümmern. Wenn sie bereit sind für Schule.
Ich möchte ein Klima schaffen, in dem jeder Schüler sich eingeladen fühlt; sich auch in aller Ruhe an die Regeln halten kann, weil er sie akzeptiert und aktiv mit gestaltet.
Ein gemeinsamer Lernprozess mit vielen Kindern ist nur möglich, wenn es für alle positiv verläuft. Kinder, die dort nicht sein möchten, die möchte ich nicht länger hinterher schleifen oder überzeugen müssen, wenngleich ich selbst das noch nie erlebt habe. Und ich möchte sie auch nicht täglich reglementieren oder disziplinieren. Erleben tu´ich allerdings täglich, dass Kinder zu wenig Achtung vor den Gefühlen und Wertvorstellungen der anderen Kinder haben. Dass sie diese sehr häufig mit Füßen treten. Mangelnde Empathie und kaum Zugang zur eigenen Intuition verstärken dies.
Deswegen unterrichte ich Yoga mit meinen Schülern. Aber hey, auch hier hat es wenig Sinn, ständig zu reglementieren, zu disziplinieren und zu fordern.

Das alles ist recht mühsam und schwächend, es bringt keinen Spaß!

Wünschen tu` ich mir den Raum Schule als Chance zur Weiterentwicklung, für mich am allermeisten. Und das geht nur freiwillig.

Bringt Freude und macht selbstständig. Das Formenzeichnen

Im Wechsel mit dem Schreiben/ Lesen und Rechnen, gibt es die Tätigkeit des Formenzeichnens.
In meiner 2. Klasse, an einer Brennpunkt-Grundschule in Berlin, habe ich Täfelchen mit Tafelfarbe bemalt, so dass die Kinder auch mit Kreide auf Tafeln zeichnen können. Das spart Papier und bringt Freude.
Beim Formenzeichnen lernt man, eine bestimmte Form nachzuempfinden, den Verlauf, die Form der Windungen, um sie dann selbst auch zeichnen zu lernen. Üben tun wir dies mit dem ganzen Körper: Man zeichnet eine Form mit beiden Armen groß in der Luft, mit den Füßen, legt sich entsprechend auf den Boden, legt Seile in der Form oder zeichnet die Form in den Sand. Wenn man sich vertraut gemacht hat, zeichnen wir sie in unser Heft hinein und gestalten sie meist noch farbig schön aus.

Warum das? Der Prozess des Formenzeichnens schult die Wahrnehmungsfähigkeit.Es fördert Konzentration und Ausdauer, den Gleichgewichtssinn, die Auge-Hand-Koordination, bereit auf das Schreiben vor , macht sensibel für Ästhetik und Formensinn.. Ein Kind, welches Formen ohne Lineal und andere Hilfsmittel zeichnet, wird eigenständig und selbstsicher in die Welt gehen, es hat alles, was es benötigt, um einzuschätzen, wie weit es gehen kann….🙂