Waldorfpädagogik und Differenzierung

Waldorfpädagogik bedeutet ja für viele, die das Wort so hören, dass es etwas mit „Wald“ zu tun haben müsste. Also mit Natur, mit Erlebnis, auf jeden Fall mit Sinnesbeteiligung.

Das stimmt auch. 

In der Waldorfschule lernen Kinder ganzheitlich. Das heißt, sie lernen vom Realen Erlebnis zur Abstraktion zu kommen. Sie lernen mit Herz, Kopf und Hand.
Für den Mathematikunterricht könnte das bedeuten, dass der Lehrer beim Einführen des „Teilens“ zum Beispiel, ganz konkret von einem Gegenstand ausgeht, der auf Kinder verteilt werden soll.
Das mögen die Kinder sehr gerne und sie verstehen es auch meist besser, wenngleich es auch Kindertypen gibt, die sagen „so ein Quatsch, ich mache das mit den Zahlen zack zack“. Danach würde dieser Vorgang im ersten Beispiel Schritt für Schritt immer weiter abstrahiert werden (siehe Video unten).

Der Waldorfunterricht soll für alle Kinder so gestaltet werden, dass auch alle Lerntypen die Möglichkeit haben, im Unterricht mitzukommen. Manche brauchen Geschichten, andere brauchen möglichst viele Materialien, andere müssen selbst mit dem Körper dabei etwas tun,  und andere brauchen etwas, von dem ich noch gar nicht weiß….Und genau deswegen ist es gut, ab und an auch neue Lernwege kennen zu lernen, die meinen Blick als Lehrer weiten.
Ich erlebe nämlich in meiner Familie und in meinem Freundes-und Bekanntenkreis , dass nicht alle Kinder genügend Förderung in der Schule erhalten, um wirklich etwas können zu lernen und es danach auch sicher und nachhaltig übertragen zu können, selbstständig. So viele ehemalige Schüler haben das Gefühl, ihnen hätte da etwas gefehlt, gerade, wenn es um die individuelle Förderung geht.

In meinem Unterricht hat sich deshalb bewährt, dass ich die Kinder, die schnell etwas Neues „begreifen“ und auch „können“, als Mithelfer einsetze, denn es ist unmöglich für mich, 24 Kinder, von denen ca. 18 einen erweiterten Förderbedarf haben und 20 davon kein Deutsch zu Hause sprechen, alleine so unterrichte, dass ich allen gerecht werden kann. Ich muss andere Lernwege finden und dann, gemeinsam mit meiner Klasse, daraus etwas Eigenes machen. Dann ist es möglich, denjenigen besonders behilflich zu sein, die nur durch eine Lehrperson gefördert werden können.
Auf diese Weise entlaste ich  meinen Unterricht sehr, es ist nicht alles nur auf mich fokussiert, denn ich habe ja meine Helfer, die ihrerseits wiederum wahnsinnig viel lernen durch ihre Aufgabe, denn es ist wunderbar, irgendwann zu erleben, dass jemand etwas durch meine Hilfe gelernt hat und dass derjenige dies dann vielleicht sogar wieder einem anderen erklären kann. So dürfen dies die Kinder als Multiplikatoren und helfende Wesen auch erleben, was eine völlig neue Lernkultur schafft.

Als Waldorflehrerin an einer Staatsschule arbeite ich im Verbund mit anderen Kollegen im Team. Es ist zwar so, dass jeder Klassenlehrer seinen Unterricht alleine gestaltet und ausführt, dennoch aber tauscht man sich mit den Kollegen regelmäßig aus und bespricht konstruktiv,was sich bewährt und was es für neue Ideen gibt, so dass immer wieder die Aufrichtekräfte des Lehrers gestärkt werden können, weil man das Erleben teilt, dass etwas gut funktioniert. Anders würde es laufen, wenn immer nur über die Missstände, die es ja auch wirklich gibt und die katastrophal sind, gelitten und gejammert werden würde/ das kommt leider seeeehr oft vor und raubt mir als Lehrerin wahnsinnig viele Kräfte.
Selbstverständlich wollen wir als Lehrer nichts mehr, als dass die Kinder mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen, nachdem sie an einem Schultag lang in vielerlei Hinsicht beansprucht wurden.

Ich zeige nun hier einmal durch das Video von „Yalas Wiese“, einer neuen Graswurzelbewegung, wie so etwas konkret aussehen kann. Ich habe mich entschieden, mit Anne Peters tollen Ideen und Materialien meinen Rechenunterricht zu gestalten, so dass die Kinder nun auf der Sinnesebene noch mehr gefördert werden können mit dem Ziel, das Dividieren und Multiplizieren / die Voraussetzung für das Rechnen bis in die 13. Klasse hinein, wirklich zu erlernen.
Gestern hatte ich meine erste, ganz individuelle Fortbildung bei ihr.

 

Danke an Yaylas Wiese für diese tolle Unterstützung:

https://www.yaylaswiese.de/archiv/?p=15406

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