Was bedeutet das „Guru-Verständnis“ mir?

Hallo, meine lieben Mitlesenden,
das „Guru-Thema“ war für mich eigentlich bis jetzt noch nie ein Thema. Früher, als ich klein war, da gab es ja meinen Papa, der alles für mich war. Er war Gott für mich. Leitperson. Wirklich. Meine gesamten Kindheitserinnerungen fokussieren sich auf meinen Vater. Und obwohl ich dieses Thema lange psychotherapeutisch in Form von Biodynamischer Massage nach Gerda Boyesen und mit Hilfe von Reiki, Releasing und Cranio-Sacral-Therapie aufgearbeitet und losgelassen habe, weil es mich in der Tat nicht losließ und ich es auf andere Männer übertrug, taucht das Thema „Lehrer/ Guru“ in den letzten Jahren wieder intensiver auf. Zum Einen dadurch, dass meine ältere Tochter in einer anthroposophischen Arbeits- und Lebensgemeinschaft lebt und diese ziemlich radikal die Blutsverwandtschaft geringer stellt als die Seelenverwandtschaften, sodass ich sehr viele Konflikte mit meiner älteren Tochter auf diesem Gebiet habe und erschreckende Verletzungen aufgetreten sind, die ich als leibliche und liebende Mutter, die ihr Kind bewusst zur Welt und bewusst und leidenschaftlich gerne begleitet und gefördert zu glauben schien, nun völlig geschockt und vor den Kopf gestoßen bin mit meinen herzzerreißenden Gefühlen ;seit Jahren damit herum strauchele und nicht verstehe- einfach nicht verstehen kann, was da geschieht!
Ich erlebe den Menschen, der mir mit der allerliebste war, wie einen Fremden- weil der Einfluss des „Meisters“, des „Gurus“, des „Lehrers“, des „Geliebten“ so groß ist, dass es kaum auszuhalten ist mit anzusehen, wie diese Tochter sich selbst und alles, was sie mit der Vergangenheit verbindet, ausgrenzt, abschaltet, ignoriert, weglegt, wegtrampelt…. Dieser Schmerz darüber war viele Jahre für mich kaum auszuhalten und ist es immer noch nicht. Ich habe gelernt, ihn zu verdrängen, anzunehmen, damit er mich nicht tötet. Das meine ich ernsthaft: Tötet.

Und nun erlebe ich zeitgleich von Außen, ohne Schülerin zu sein, seit ca. 13Jahren eine andere Lehrer-und Guruschaftsbeziehung, die ebenso leben kann und darf, in der Gemeinschaft der Anahata-Akademie, die von Feldema und Sebastian Gronbach gegründet wurde (ich habe hier in meinem blog auch bereits schon früher davon berichtet).
Dort beobachte ich, dass deren Schüler weltoffen sich entwickeln, Freude am Leben haben, aktiv ihre Ideen und Visionen in die Welt tragen, sich entwickeln und Glück ausstrahlen. Ich selbst bin wie gesagt keine Schülerin, nur stille Beobachterin, die wahrnimmt, wie sich einige Menschen dort weiterentwickeln.
Jedoch fühle ich seit Anfang an eine sehr starke Verwandtschaft, ja, so etwas wie eine Seelenverwandtschaft mit ihnen. Ein großer Teil meines Selbstes liebt diese Gemeinschaft. Liebt das Gemeinsame, die Hülle und den Guru.

Das Thema der Meisterschaft, der Schülerschaft und das des Mutterseins bindet mich, auch beruflich. Ich bin Lehrerin und zutiefst damit befasst, eine zukunftsweisende Pädagogik in eine staatliche Grundschule zu tragen. Dort erlebe ich die Dreiheit der genannten Substantive (Meister, Schüler, Mutter) , die gleichzeitig auch Verben sind:Das Lehren, das Lernen und das bedingungslose Geben/ Lieben / Annehmen.

Diese drei Komponenten lebe ich in meinem Beruf, also versuche mein Bestes.

Und ich wünschte mir da oft einen Coach, jemanden, der mir einen Tipp gibt, der mich wieder aufmuntert, wenn ich gefallen bin oder der mir Mut macht und mich inspiriert, wenn ich kaum noch an meinen Weg glauben kann. Ja, so jemand kann auch nicht immer mein Ehemann sein. Weil in manchen Fällen die Objektivität, die Sicht auf das Größere, das Alleinssein fehlt, mehr Empathie vorhanden ist und dazwischen lebt als eine dritte Instanz dies täte. Also, die Instanz, die ich da meine. Und bis jetzt ist es so, dass diese dritte Instanz sich beizeiten mir subtil zeigt. Durch ein Gefühl des Soges, ich erhalte Hilfen, Antworten und Inspiration, wenn ich Yoga mache, Laufen gehe, mit meinen Schülern singe, gärtner oder z.B. stricke. Wenn ich loslasse und ganz offen und still mit mir bin.

Ob dies das Gleiche ist wie das, wenn ich einen Guru hätte, das weiß ich nicht.
Ich weiß nur, dass ohne einen Guru kein Mensch dazwischen ist, der in irgendeiner Weise etwas steuern oder beeinflussen könnte. Ist das immer gut?

Das „Dazwischen“ ist gefühlt die feinstoffliche Kommunikation mit dem Zukünftigen, was präsent wird in der Gegenwart. Etwas, was ruft und werden will. Es fühlt sich fein, zart, wahr und freundlich an. Es ist Liebe und gleichzeitig auch noch materialistischer- vielleicht etwa wie ein Engelwesen, welches meine Hand hält. Ja, so ungefähr fühlt sich das an.

Ich sehne mich nach Gemeinschaft, spiritueller vor allem, auch nach unkomplizierter, nach einer, die einfach da ist. So wie damals, als ich noch in meiner eigenen Familie lebte und wir alle gemeinsam aßen, mit den Freunden meiner Kinder und auch Freunden von mir- Heute also unbeschwert mit meinen Enkeln und mit denen, die dabei sein wollen, von Zeit zu Zeit.

Diese Art der Gemeinschaft fehlt mir jetzt, sie muss erst erschaffen werden. Aber da meine Arbeit mich so sehr füllt, kreiere ich aus diesem Ruf aus mir heraus danach nichts dies bezüglich Suchendes. Ich bin zu müde dafür.
Noch. Stattdessen genieße ich die Gemeinschaft innerhalb meiner Klasse, mit meinen unmittelbaren Kollegen, die mir auch gedanklich nahe sind.

Im Moment wollte ich das Thema für mich klar darstellen, auch öffentlich. In Holland nennt man den Zustand des „Klärens“, „helder“ worden.

Klarer bin ich geworden durch die Kommentare, die auf Fb geäußert wurden. Diese wiederum ließen mich nochmals schärfer und differenzierter urteilen über das Thema.

Danke vielmals für das Lesen und Mitarbeiten zu (im Moment) so später Stunde.

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