Draußen sein

Draußen, damit meine ich dort, wo ich gesunde Luft zum Atmen habe, keine lärmenden Autos um mich herum. Es gibt solche Plätze, auch heute noch für Kinder, sogar in einer Großstadt wie Berlin oder am Rande davon.
Es ist eine Wahl möglich in welcher Gegend man seine Kinder aufwachsen lassen möchte. Und es ist genauso eine Möglichkeit, sie viel draußen sein zu lassen, mit allem, was da eben auch an Gefahren lauern kann.
Auf Bäume zu klettern beispielsweise, oder im März mit bloßen Füßen in kleinen Tümpeln zu matschen, auf eine Kuhweide zu gehen, auf die man eigentlich nicht gehen darf. Von Sandbergen zu springen, Höhlen zu bauen in dicht aneinander stehenden Bäumen. Im „Hexenkessel“ Suppe zu kochen, sich vom Bauern Planen auszuleihen, um die Höhle vor Regen zu schützen und diese dann überall zu befestigen, mit Schnüren und langen Halmen, die man irgendwo findet.
Draußen sein, in einem bewusst gemeinsam abgesprochenen Raum und dort eine Welt aufzubauen, von der die Eltern keine Ahnung hat, wenn nicht das Kind zu Hause davon erzählt. Eine „geheime“ Welt, in der nur Kinder Zugang haben. Ohne einen Betreuer, der alles bewacht und begrenzt. Das ist möglich, aber ist es eben eine Entscheidung, die auch Konsequenzen hat.

Wie ermögliche ich es meinen Kindern,  diesen Raum „Draußen“ schaffen zu können?
Erstmal ist natürlich die Voraussetzung, dass ich weiß, wie wertvoll die Lebensphase zwischen 4 und 15 ist. Das impliziert ja, dass ich als Erwachsener möglichst großes Interesse daran habe, sie gesund und selbstbestimmt aufwachsen zu lassen. Selbst dann, wenn ich bezüglich meiner Arbeit Kompromisse machen muss  sprich: Weniger arbeite, mehr Zeit habe für die Kinder und für mich. Die Entscheidung, für sein Kind da zu sein, es nicht frühzeitig in eine Krippe zu geben, die will ja gewollt und nicht erzwungen sein. Es gehört meines Erachtens eine gewisse Reife und eine natürlich ausgebildete Intuition dazu, eine derartige Entscheidung zu treffen. Und es ist auch nicht zu verschweigen, dass es einfacher ist,  wenn es eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit gibt. Selbst verständlich haben gering Verdienende Menschen weniger Spielräume als besser Verdienende. Aber auch darüber ließe sich diskutieren und sicherlich gäbe es auch Möglichkeiten für Kinder, deren Eltern beide länger arbeiten müssen, aber dazu ist Solidarität und das gemeinsame Absprechen untereinander möglich.

Wer letztendlich die Entscheidung trifft, nicht in den Innenstadtbereich einer Großstadt, immer leicht erreichbar und mit allen Vorzügen vom Central wohnen zu leben, der kann zusammen mit seinen Kindern, eine Menge Abenteuer erleben. Und selbst wenn ich in einer enger bewohnten Gegend lebe, in der es aber Gemeinschaftsgärten gibt oder Flächen, die ich für die Kinder in Zusammenarbeit mit ein paar anderen Nachbarn gestalten kann, ist es möglich, derart wichtige Räume für Kinder zu schaffen.

Es hängt davon ab, was ich für meine Kinder und für mich möchte und davon, ob ich das auch in die Tat umsetzen kann. Selbst in Hochhausgegenden gibt es freie Stellen, Grünflächen, in denen mehrere Kinder miteinander ihre Zauberwelt aufbauen und gestalten können. Dort könnte man sich mit der Betreuung, die in solchen Gegenden unumgänglich ist abwechseln, so dass immer mindestens eine Aufsicht da ist.

Das Draußensein ermöglicht den Kindern ein selbstständiges Ausprobieren, kreativ sein und es ermöglicht ihnen, auch Grenzerfahrungen machen zu können. Sie entwickeln dadurch ihre Sinne, was nötig ist, um ein soziales Wesen zu sein.

Es ist eine Entscheidung, sein Kind um 14 Uhr oder erst um 18 Uhr aus dem Hort zu holen. Und diese Entscheidung ist nicht immer abhängig von Arbeitszeiten, es gibt da auch Spielräume. Ein Hort ist immer ein Kompromiss, denn frei spielen und Grenzerfahrungen machen, das kann man dort nicht wirklich.

Sein Kind draußen, auch unbeaufsichtigt spielen zu lassen, das bedeutet nicht, dass es einem egal sein soll, wo sein Kind sich herum treibt.
Als Erwachsener weiß ich doch, in welcher Umgebung mein Kind sein kann. Was es braucht, um sich einerseits gut entwickeln zu können und andererseits natürlich geschützt zu sein (keine Autobahn in der Nähe, keine Schnellzüge, Gleise, auf die es springen kann usw.., Seen in unmittelbarer Nähe…). Selbstverständlich ist die Voraussetzung für einen derartigen Umgang mit seinem Kind, dass man als Erwachsener auch Freude daran hat, sein Kind beim Experimentieren zu unterstützen, es los zu lassen  Stück für Stück und gleichzeitig dennoch zu wissen, dass es behütet ist und dass man auch im Grunde weiß, was das Kind draußen macht. Wenn der Erwachsene beobachtet, vertraut und los lässt, dann ist da eine Bindung vorhanden zwischen Erwachsenem und Kind, welches solche Abenteuer ermöglicht.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s