Manchmal kann ich einfach nicht mehr….und dann? …Kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Heute war so ein Tag.
Die ersten beiden Unterrichtsstunden liefen wunderbar. Gestern erzählte ich meinen Schülern die Geschichte von der „Qualle Quentin“, die der Wahrsagerin „Walli Wehmut“ ( erfunden von Christph Bai/ Waldorfschule Schwerin) oft hilft, wenn ein Rätsel gelöst werden muss oder eine Person gefunden werden soll.Ganz unbemerkt erlernten die Kinder so den Laut „Qu“ kennen. In einem darauf folgenden Tafelbild konnten wir sehen, wie schön eine Qualle aussehen kann und wie sehr sie die Gewässer durch ihre tänzerischen Bewegungen und ihre wunderschöne Ausstrahlung bereichern kann. Das Wasser, in dem sie schwimmt, ist hell erleuchtet von ihrer Gabe, andere Wesen verzaubern zu können.

Heute griff ich dann den Laut aus dem Tafelbild und der Geschichte heraus und schrieb wiederum ganz groß und deutlich in Form eines schönen Tafelbildes diesen an die Tafel. Zusätzlich schrieb ich  einige bunte Zeilen an, so dass die Kinder den neuen Laut nochmals verkleinert schreibend üben konnten, in ihrem eigenen Heft.  Das lieben sie.

Wenn Kinder schon schneller als andere damit fertig wurden, durften diese in ihrer Fibel weiter arbeiten, um auch dort genau diesen Buchstaben mit anderen Buchstaben zu verbinden und dadurch lesen üben konnten. Zwei schöne Stunden, die nach einer Pause verlangten.
Ich hatte Aufsicht. Offenbar war es gerade heute nun für viele Kinder außerhalb meiner eigenen Klasse, sehr anstrengend. Sie prügelten sich zum Teil so stark, dass man sie kaum „einfangen“ oder auseinander bringen konnte. Ich weiß gar nicht, wie oft ich einem 6jährigen Schüler aus einer Paralleklasse hinterher lief und ihn dennoch nicht fangen konnte. So schlug er immer weiter seine vorbei kommenden Opfer und verursachte körperlichen und seelischen Schaden.
Aber es blieb nicht bei diesem einen Schüler, es gab an jedem Platz, überall Verletzungen, Geschreie, furchtbare Tragödie, Lautstärke, verzweifelte Verletzte. Und dann klingelte es, die Kinder mussten wieder hinein.Puh, auch für uns Lehrer war das keine Pause, ich überlegte schon auf dem Weg in meine Klasse, wie ich nun meinen Unterricht beginnen könne. Ich war total erschöpft und fühlte eigentlich nur Ohnmacht. Konnte nicht denken, nicht wirklich handeln.Mit dem Wunsch, dass die zuständigen Klassenlehrer sich um die Jungs kümmerten, die ich natürlich verständigte.
Meine Kinder kamen alle im Klassenraum an und sie merkten, dass mit mir etwas nicht stimmte. Meine Klassenhelferin war auch zugegen und brachte eine Plastiktüte mit, ich wusste noch nicht, was darinnen war.
Nun sprach ich kurz mit den Kindern über das aggressive und lautstarke Verhalten vieler Kinder aus den anderen Klassen. Sie waren auch sehr berührt von diesem Verhalten und fanden es nicht gut, dass so viele unschuldig verletzte Kinder nun in den übrigen Klassen saßen. Wie solle man nun umgehen mit den Jungs, die das angerichtet hatten? Es kamen viele Ideen zustande….

Meine Klassenhelferin packte ihre Plastiktüte raus. Sie brachte gebrannte Plastizierarbeiten ihrer Kinder von früher mit. Einen Hasen, einen Kerzenständer, eine Murmelbahn, mehrere Becherchen und stellte diese vereinzelt auf einige Tische vor die Kinder.
Ich hatte mich inzwischen beruhigt und schnitt den Ton auf, den ich eigentlich für den heute Abend anvisierten Elternabend dort vor Unterrichtsbeginn in die Klasse legte. Dann verteilten wir den Ton und begannen zu plastizieren. Zuerst eine Kugel, daraus entstanden dann nach mehreren Anläufen und gescheiterten Probeversuchen wunderschöne Küken, kleinste Vögelchen, die so echt aussahen, als würden sie sofort los zwitschern! Und allen ging es wieder gut, wir waren alle in der Mitte. In unserer Mitte.

Meine Klassenhelferin hat mich wieder einmal sehr entlastet, mich „gerettet“, mir geholfen, es richtig zu machen.
Eigentlich war „Yoga“dran. Aber das wurde ja nun spontan anders.

Dort, wo es Klassenhelferinnen gibt, da möchte ich Licht hinschicken, ich möchte mich verneigen vor ihrer großen Hilfe und Wirksamkeit!

D                                                     A                                     N                                   K                              E

Und danach gab es noch zwei Stunden. Einmal Musik in der Parallelklasse, zu der zum Glück die Klassenlehrerin dabei war (es geht dort nämlich so gut wie gar nichts, wenn alle 23 Kinder gemeinsam kommen/ eben aufgrund der vielen Kinder, die eben auch unten auf dem Schulhof waren)  und danach eine Förderstunde.

Ein voller Vormittag, ohne eine Pause von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr. Heute Abend ist Elternabend und ich bin gespannt, wie sich dieser anfühlen wird. Übrigens: Auch dort ist meine Klassenhelferin dabei  und meine Erzieherin, also wir treten als gemeinsames Team auf in dieser Brennpunktschule, mitten in Berlin .  Alleine geht das heute nicht mehr!

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