Und immer wieder auf den Bauernhof….

Jeden Mittwoch geht es ab auf den Bauernhof. 22 Kinder, eine Erzieherin, eine Klassenhelferin und ich, als Lehrerin.
Der Weg dorthin, zu Fuß, nimmt 25 Minuten in Anspruch. Ein Weg, der durch Wohnghettos führt, an befahrenen Straßen entlang und auf „verkackten“ Fußwegen. Aber dennoch gehe ich ihn mit den Kindern. Einmal in der Woche. Bereits ab der ersten Woche der Einschulung.
Warum?
Wir gehen zusammen, wir halten uns an den Händen, wir gehen langsam oder schnell, wir achten auf die Kacke, wir umgehen diese, gemeinsam. Wir springen über kleine Bäche, wir kraxeln durch das Baum- und Strauchgeäst, wir fassen uns immer noch an. Wir versuchen, in einer Gruppe zu bleiben, beisammen, wir hören zu, wenn ich etwas sagen will/ muss. Wir hören überhaupt aufeinander,weil das eben sein muss, wenn man zusammen ist.
Wir haben Durst, gemeinsam. Und wir freuen uns, wenn wir angekommen sind-auf dem Bauernhof. Dort gehen wir immer die gleiche Runde. Nun schon 7 Monate lang. Zuerst an den Lamas vorbei, dann zu den Wollschweinen, den Hasen, den Meerschweinchen, den Ziegen und Schafen, den kleinen und großen, bei den sich verändernden Gemüsebeeten vorbei, die gerade frisch gemacht werden. Dann zu den Ponies, auf denen noch nie einer von meinen Schülern geritten ist…

( Wie war das doch mit meinen eigenen Kindern?, die mit 6 schon irgend welche Ponies von irgend welchen Bauern im Wald oder auf dem Lande versorgten und beritten? )

Für diese Stadtkinder ist es so etwas Besonderes, Unglaubliches, fast Verträumtes, wenn wir diesen Gang jede Woche machen. Es ist mein Sachkundeunterricht, erlebbare, außerschulische Lernorte….Was fressen die Tiere? Was brauchen sie und die  Pflanzen, wie verändert sich die Vegetation im Laufe der Jahreszeiten? Das alles und viel mehr erleben sie hautnah, alles, was sie aufschnappen können.
Und der Höhepunkt vor dem anderen Höhepunkt ist der, wenn die Kinder um ein rundes Silo herum die Singspiele und Reigen tanzen und singen, die ich ihnen in den vergangenen 7 Monaten beigebracht habe. Da singen und tanzen sie zusammen „Ja so wickeln wir…“ oder „O Katerlischen“, „Wir schließen das Tor, wir öffnen das Tor“, „Und ein und aus zum Fenster…“ und zum letzten Höhepunkt, zum hohen Berg hinauf, gemeinsam rennen und sich oben in einer Reihe hinstellen, das Lied „Hoida hoida, de hoida…..“singend und stampfend .
Ich empfinde das als gelungene Inklusionsarbeit, denn immerhin sind in meiner Klasse ca. 3 Deutsche und 19 Migranten, 20 Kinder mit einem Förderbedarf und 3 ohne…Es sprechen einige kaum Deutsch, aber singen tun sie alle.

Der Weg zurück zur Schule ist fröhlich, die Kinder sind erfüllt, haben Durst und rote Wangen…Es bringt uns allen große Freude. Und ich erlebe dabei das große Potential, welches in jedem dieser Kinder steckt.

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