Erlebnispädagogik im Wald

Wenn man sich vornimmt, zum Bauernhof zu gehen und einem dann etwas dazwischen kommt, so wie meiner Klasse und mir heute, dann kann das ganz erquickend und wunderbar sein.

Wir gingen an einem kleinen Bach entlang und plötzlich sprangen wir, eines nach dem anderen Kind dort hinüber, mit meiner Hilfestellung und mit sicherem Gefühl, dass jeder es schaffen kann. Und es klappte. Auch die unsicherste, lauteste und im Unterricht auffälligste Erstklässlerin, kam hinüber.
Dann kamen Sträucher, tiefe Birken, Buchen und ein großer Baumstamm dazwischen. Auch dieser wollte überquert werden, ganz vorsichtig oder ganz schnell und im hohen Bogen von oben hinunter springen, in das weiche Laub. Auch das wurde geschafft. Von allen.

Nebenbei bauten ein paar Kinder ein Gerüst für ein Tippi, das hatten sie selbst heraus gefunden und zum ersten Mal gemacht. Wie stolz sie waren!

Und zurück ging es dann ganz schnell, an einer kleinen Blumenwiese vorbei, noch Gänseblümelein und Löwenzahn mit Taubnesseln pflücken. Als Erinnerung für unsere Klasse legten wir noch einzelne Blumen davon in unsere Blumenpresse. Mal sehen, ob wir uns im Herbst daran erinnern.

Das war wunderschön, eben mal ne Stunde weg, um die Ecke….Danach malten wir eine Karte für den Muttertag bald: Eine Blumenwiese mit einem liegenden Baum, auf dem ein mutiger Junge balancierte…. Ein wunderschöner Schultag!

Identitätskrise behoben

Ein ganz privates Erlebnis möchte ich hier teilen.
Eben ist mir etwas sehr Lustiges passiert….Ich fuhr zu „Denns“ und kam gerade raus, bepackte mein Fahrrad. Da kam eine ältere Frau mit Zigarre auf mich zu. Sie sah recht wüst aus, hatte zerzottelte Haare,einen wilden Hut auf, einen weiten, eleganten Poncho an und qualmte mich voll. Obwohl ich das eigentlich hasse, also den Qualm, hatte ich sofort Zutrauen zu ihr. Sie lachte- ich lachte. Sie fragte mich, ob sie mir etwas sagen dürfe. Klar durfte sie… Ich bin offen für Reflexionen!

Sie sah mich und musste mich nun ansprechen. Ich sei sehr hübsch, hätte ein schönes Gesicht und sei super gestylt, so mit meinem lila Wollmantel, dem bordeaux farbigen anderen Baumwollmantel darunter, meinen lila Lederschuhen, meiner rose´farbigen Hose usw.  Und mit meinem Lila Fahrrd! Aber: Das sollte ich weiß Gott nicht tragen! Es würde mich um 10 Jahre älter machen und ich solle stattdessen anthrazit und weiß tragen. Eine weiße, elegante Bluse z.B., bloß kein braun. Weiß und anthrazit seien meine Farben. Und ich solle die Farbenlehre vergessen. Sie wüsste, wovon sie spräche, denn sie war 40 Jahre lang Designerin und mit den bekanntesten Designern auf der ganzen Welt bekannt. Sie war Dozentin an der HbK und ihr gefiele es, den Menschen zu sagen, was sie denkt , aber ich müsste das ja alles gar nicht glauben und könne machen was ich will, aber sie würde mir empfehlen, meinen Kleiderschrank mal auszutauschen und völlig neu zu denken…

Das war natürlich etwas für mich. Gerade jetzt, wo ich mit Wechseljahressymptomen, Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Selbstzweifeln, was mein Äußeres angeht, überschwemmt werde. Wir bogen uns vor Freude.. Zum Schluss erzählte sie noch, dass sie gerne in einer Hebelbühne leben würde, weiß gestrichen, alle Möbel weiß….und um sie herum Öl farbene Wände….

Ich bin so auffällig, dass mich solche Typen ansprechen- genial!

Draußen sein

Draußen, damit meine ich dort, wo ich gesunde Luft zum Atmen habe, keine lärmenden Autos um mich herum. Es gibt solche Plätze, auch heute noch für Kinder, sogar in einer Großstadt wie Berlin oder am Rande davon.
Es ist eine Wahl möglich in welcher Gegend man seine Kinder aufwachsen lassen möchte. Und es ist genauso eine Möglichkeit, sie viel draußen sein zu lassen, mit allem, was da eben auch an Gefahren lauern kann.
Auf Bäume zu klettern beispielsweise, oder im März mit bloßen Füßen in kleinen Tümpeln zu matschen, auf eine Kuhweide zu gehen, auf die man eigentlich nicht gehen darf. Von Sandbergen zu springen, Höhlen zu bauen in dicht aneinander stehenden Bäumen. Im „Hexenkessel“ Suppe zu kochen, sich vom Bauern Planen auszuleihen, um die Höhle vor Regen zu schützen und diese dann überall zu befestigen, mit Schnüren und langen Halmen, die man irgendwo findet.
Draußen sein, in einem bewusst gemeinsam abgesprochenen Raum und dort eine Welt aufzubauen, von der die Eltern keine Ahnung hat, wenn nicht das Kind zu Hause davon erzählt. Eine „geheime“ Welt, in der nur Kinder Zugang haben. Ohne einen Betreuer, der alles bewacht und begrenzt. Das ist möglich, aber ist es eben eine Entscheidung, die auch Konsequenzen hat.

Wie ermögliche ich es meinen Kindern,  diesen Raum „Draußen“ schaffen zu können?
Erstmal ist natürlich die Voraussetzung, dass ich weiß, wie wertvoll die Lebensphase zwischen 4 und 15 ist. Das impliziert ja, dass ich als Erwachsener möglichst großes Interesse daran habe, sie gesund und selbstbestimmt aufwachsen zu lassen. Selbst dann, wenn ich bezüglich meiner Arbeit Kompromisse machen muss  sprich: Weniger arbeite, mehr Zeit habe für die Kinder und für mich. Die Entscheidung, für sein Kind da zu sein, es nicht frühzeitig in eine Krippe zu geben, die will ja gewollt und nicht erzwungen sein. Es gehört meines Erachtens eine gewisse Reife und eine natürlich ausgebildete Intuition dazu, eine derartige Entscheidung zu treffen. Und es ist auch nicht zu verschweigen, dass es einfacher ist,  wenn es eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit gibt. Selbst verständlich haben gering Verdienende Menschen weniger Spielräume als besser Verdienende. Aber auch darüber ließe sich diskutieren und sicherlich gäbe es auch Möglichkeiten für Kinder, deren Eltern beide länger arbeiten müssen, aber dazu ist Solidarität und das gemeinsame Absprechen untereinander möglich.

Wer letztendlich die Entscheidung trifft, nicht in den Innenstadtbereich einer Großstadt, immer leicht erreichbar und mit allen Vorzügen vom Central wohnen zu leben, der kann zusammen mit seinen Kindern, eine Menge Abenteuer erleben. Und selbst wenn ich in einer enger bewohnten Gegend lebe, in der es aber Gemeinschaftsgärten gibt oder Flächen, die ich für die Kinder in Zusammenarbeit mit ein paar anderen Nachbarn gestalten kann, ist es möglich, derart wichtige Räume für Kinder zu schaffen.

Es hängt davon ab, was ich für meine Kinder und für mich möchte und davon, ob ich das auch in die Tat umsetzen kann. Selbst in Hochhausgegenden gibt es freie Stellen, Grünflächen, in denen mehrere Kinder miteinander ihre Zauberwelt aufbauen und gestalten können. Dort könnte man sich mit der Betreuung, die in solchen Gegenden unumgänglich ist abwechseln, so dass immer mindestens eine Aufsicht da ist.

Das Draußensein ermöglicht den Kindern ein selbstständiges Ausprobieren, kreativ sein und es ermöglicht ihnen, auch Grenzerfahrungen machen zu können. Sie entwickeln dadurch ihre Sinne, was nötig ist, um ein soziales Wesen zu sein.

Es ist eine Entscheidung, sein Kind um 14 Uhr oder erst um 18 Uhr aus dem Hort zu holen. Und diese Entscheidung ist nicht immer abhängig von Arbeitszeiten, es gibt da auch Spielräume. Ein Hort ist immer ein Kompromiss, denn frei spielen und Grenzerfahrungen machen, das kann man dort nicht wirklich.

Sein Kind draußen, auch unbeaufsichtigt spielen zu lassen, das bedeutet nicht, dass es einem egal sein soll, wo sein Kind sich herum treibt.
Als Erwachsener weiß ich doch, in welcher Umgebung mein Kind sein kann. Was es braucht, um sich einerseits gut entwickeln zu können und andererseits natürlich geschützt zu sein (keine Autobahn in der Nähe, keine Schnellzüge, Gleise, auf die es springen kann usw.., Seen in unmittelbarer Nähe…). Selbstverständlich ist die Voraussetzung für einen derartigen Umgang mit seinem Kind, dass man als Erwachsener auch Freude daran hat, sein Kind beim Experimentieren zu unterstützen, es los zu lassen  Stück für Stück und gleichzeitig dennoch zu wissen, dass es behütet ist und dass man auch im Grunde weiß, was das Kind draußen macht. Wenn der Erwachsene beobachtet, vertraut und los lässt, dann ist da eine Bindung vorhanden zwischen Erwachsenem und Kind, welches solche Abenteuer ermöglicht.

Schritt für Schritt

Ein Sinnespfad besteht aus mehreren, unterschiedlichen Bereichen. Jeder Bereich, in dem man mit nackten Füßen stehen und gehen kann, hat seinen eigenen Reiz. Diesen zu erspüren, zu erforschen, erfordert Geduld und ein „Loslassen“ , denn ohne ein „Loslassen“ und mich auf das einzulassen, was ich da unten an den Füßen wahrnehmen kann, erschöpfe ich nicht das große Potential, was darinnen entdeckt und erkundet werden kann. Auf dem Pfad oder im Leben….

Und so einen Pfad hat der Verein Naturfreude in den letzten beiden Ferientagen des Landes Brandenburg im Mühlenbecker Tal bei Schildow gestaltet.

Heute wurde dieser Pfad eingeweiht, mit einem Feuer und einem Grillfest.

Es waren nur die Familien dort, die den Verein Naturfreude in´s Leben gerufen haben, anlässlich der Gründung einer Waldorfschule im Mühlenbecker Land oder auch in Berlin.Ein sehr schönes, stilles und herzliches Fest mit so vielen Menschen, die ich bisher nicht kannte. Ein Erlebnis!
So einen Pfad Stück für Stück zu ergreifen, hat seinen Reiz und es ist für mich eine besondere Ehre, mit dabei sein zu dürfen.

Die Gründung einer Waldorfschule von Anfang an mit zu gestalten, ist großartig.

Das Besondere an dieser Schule wird die Anbindung an einen landwirtschaftlichen Betrieb sein. Und genau das ist es, was auch ich persönlich enorm wichtig finde für die Kinder und auch für meine Entwicklung. Die Verbindung mit den Pflanzen und deren Entwicklung sehe ich als Heilung an. Eine Möglichkeit, sich als Mensch mit den Pflanzen, Mineralien und Tieren zu verbinden.

https://schulfreude.org/beitr%C3%A4ge/osterferien-auf-dem-sieben-zwerge-land/

Steinchen weiter reichen

Wie ein Zauber war das heute.
Wir haben Rechenepoche. 1.Klasse. Dazu gibt es spezielle und sinnvolle Übungen, die man mit den Händen ausführt. Z.B. das Steinchen schmeißen.

Als ganz leichte Übung bekam jeder einen kleinen Rosenquarz, den er vor sich legte. Alle 22 Kinder saßen im Schneidersitz.
Rechte Hand hebt Steinchchen hoch.
Linke Hand liegt offen auf dem Knie.
Stein in der rechten Hand wird in die linke Hand des rechts sitzenden Partners gelegt, so dass jeder möglichst im gleichen Moment empfängt und gibt. Von rechts nach links also. Dann wird das Steinchen, welches in der linken Hand liegt, möglichst mit allen gleichzeitig in die eigene rechte Hand gelegt. Schwierig. Danach geht es wieder von rechts in die linke Hand des Partners, wobei gleichzeitig die eigene linke Hand aufgehalten wird…..

Gestern ging es nicht, so gut wie gar nicht.
Heute erstmal auch nicht- Verzweiflung! Es klappte eben einfach nicht! Wo ist rechts, wo ist links? Und überhaupt!
Ich teilte die Kinder in drei ähnlich starke Gruppen.
Darin übten wir dann, langsam.

Es war wirklich ein Zauber; denn in beinahe fast dem selben Moment konnten alle Kinder das Ritual durchführen. Und es ging plötzlich immer schneller. Was für ein Gefühl?  Unbeschreiblich! Probiert es aus…. Hilft bei Koordinierungsschwierigkeiten, hilft dem Gleichgewichtssinn, allen anderen Sinnen und dem Nervensystem!

All diese Sinne benötigt man für das Rechnen…..welches danach natürlich viel besser klappt….

Phänomen: Ein Kind mit einem Förderbedarf in der geistigen Entwicklung bekam es als Erste hin…. Sie vertraut mehr auf ihre intuitiven Kräfte als auf ihren Verstand! Super Vorbild!

Abmalen von der Tafel/ Was soll das?

Aus: Heute bei mir in meinem Staatsschulunterricht: Das „an der Tafel Vormalen“ ist ja, wenn man sich das so vorstellt, ein nicht so „besonderer“ Prozess: Der Lehrer malt, die Kinder malen ab, denken viele.
Aber das ist es nicht nur.
Der Lehrer begibt sich in einen schaffenden Prozess. Er sucht im Malen Anschluss an sein künstlerisches Potential. Er kreiert. Und diese Atmosphäre, die dann dem Kinde sichtbar und spürbar wird, die bietet Raum, sich eben genau an diesen schöpferischen Prozess anzuschließen…
Es ist erstaunlich. Ich habe ja auch noch Fachunterricht in einer anderen ersten Klasse, von der ich schon so oft erzählte. Ich bin mit der Klasse (Musik) so verzweifelt, dass ich seit drei Wochen eine Sozialpädagogin aus der Schulstation hinein bat, die mir also hilft, den erzieherischen Prozess durchzusetzen, ansonsten sind diese Kinder aufgrund so vieler Verhaltensauffälligkeiten nicht in der Lage, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Musik „kannst de vergessen“, mit anderen Worten, wenn ich nicht stark genug bin, die Gruppe mit meinen Fingerspielen, Reigen usw. zu „dominieren“ und zu führen, das ist dann so anstrengend , dass ich danach nur noch heulen könnte. Nun habe ich heute weniger versucht. Habe leise ein schönes Lied über Vogelkinder angesungen, habe es oftmals wiederholt, mit schwingenden Handbewegungen und es wurde zumindest so ruhig, dass ich es singen konnte. Danach habe ich ihnen die erste Strophe irgendwie beigebracht, durch ständiges Wiederholen, wie Mantren….(wahrscheinlich sollte ich sowieso eher Mantren mit ihnen singen, zum Heilen…).
Auf jeden Fall teilte ich danach dann die Hefte aus (sie haben auch eines) und ich begann an der Tafel die Vogelkinder in einem Vogelnestchen auf einem Baum zu malen. Ich ließ mich vollständig ein auf meinen Prozess, komme, was von hinten kommen mag, dachte ich. Die Kollegin musste mir auch egal sein, ich malte, mein Bild…Und siehe da! : Sie malten auch….sehr schöne, bunte Bilder, sogar mein Bild, was sie sonst nicht machen, viele malten immer Totenköpfe oder Raumschiffe (Enterprise)….Völlig schräg, obwohl ich malte! Heute ging es….
Aber nach dem Hochhalten aller Bilder (Würdigung) war natürlich kein Abschluss möglich. Dieser hätte wieder mind. 10 Minuten Vorbereitung gekostet. Unglaublich, was da los ist in den Kindern….ich fasse es nicht und es lähmt mich geradezu. Aber das heute, das war gut. Die kollegin meinte, dass sie ja sehr schön in einen kreativen Prozess gekommen seien. Und dass sie sehr gerne bei mir Malen lernen würde… Nächstes mal will sie Blöckchen mitbringen, dann malt sie auch, das ist doch noch besser für die Kinder. Heute hat sie eben immer wieder dafür gesorgt, dass sie „dran“ bleiben…. Merci…

Waldorfpädagogik für mein Kind

„Waldorfpädagogik für mein Kind“
 
Dieses Büchlein zu schreiben war mir ein wichtiges Anliegen. Ich erlebe den Unterschied zwischen Kindern, die in eine Waldorfschule gehen und Kindern, die das eben nicht tun, sehr deutlich und es ist mir schon immer klar gewesen, dass die Waldorfpädagogik eine richtungsweisende und zukunftsfähige Pädagogik ist, die wir in unserer Welt so sehr benötigen.In dem Buch geht es um den Kampf und den Sieg einer Menschen zugewandten Pädagogik in Waldorfschule und Staatsschule.

Man kann dieses Büchlein direkt über mich erwerben, bitte schauen Sie in´s Impressum. Dort können Sie über meine Mailadresse bestellen.

Gemüse-und Obstanbau in den Schulen

Liebe Leute. Bitte werdet aktiv, so dass die meisten Fördergelder an Euren Schulen nicht ausschließlich in die Entwicklung der Aufrüstung neuer Medien abwandern (an die Medienkonzerne) ! Es soll eine Gegenbewegung erlebt werden können, die z.B. durch die Einrichtung von Ackerbautätigkeiten an Schulen geschieht! Es gibt hier z.B. eine wunderbare Initiative, die sich 2014 gegründet hat: http://www.xn--gemseackerdemie-1vb.de/ Bitte teilt das und unterstützt als Lehrer, Pädagogen/ Eltern solche Bewegungen aktiv, damit die Kinder wieder einen natürlichen Bezug zum Essen und den Produkten entwickeln, die wir von der Natur und unserer Hände Arbeit geschenkt bekommen.

Dieser Aufruf richtet sich insbesondere an staatl. Einrichtungen. Es gibt Fördergelder für die Errichtung eines Ackers und für die Fortbildung für Lehrer.

Die Menschen, die solche Projekte initiieren und aktiv umsetzen, sind auf Fördergelder angewiesen. Es müsste heute geradezu ein Unterrichtsfach in die Lehrpläne integriert werden „Ackerbau/ Gärtnern“, als Teil des Sachkundeunterrichts. Bereits ab der ersten Klasse, nicht erst in der 3., wie an den Waldorfschulen üblich… Sondern als wöchentlich statt findendes Unterrichtsfach…

 

Man kann sich leicht über Seminare und Webinare zum Ackerbaulehrer weiterbilden.

Ich bin einfach begeistert! Selbst in Großstädten, wo kaum ein Baum steht, entstehen Äcker, die bepflanzt werden. Man kann dort ernten, Biogemüse verkaufen und verköstigen. Großartig!

Gelegenheiten nutzen, wie sie kommen

Das hätte ich gar nicht planen können; denn dieses Angebot gibt es von Seiten des Bauernhofes noch gar nicht, den meine Klasse mit mir jeden Mittwoch besucht.

Bisher waren wir im Sommer, im Herbst, im Winter und nun auch zum beginnenden Frühling dort und konnten erleben, wie die Jahreszeiten die Pflanzen und den Boden verändern. Auch, wie sich die Gerüche wandeln.
Schön ist es zu beobachten, dass die Landluft den Kindern mittlerweile gefällt und sie nicht mehr aufschreien „Oh, das stinkt…!“  Besonders das Schwein, welches von den Muslims unter uns so sehr mit Argwohn betrachtet wird…
Es fallen ihnen die Veränderungen der Bäume auf. Weiße Blüten eines Pflaumenbaumes fielen auf und hinab, es war wie im Traum, unter dem weißen Kleide durch zu gehen.
Und nur diejenigen, die dabei waren, können erleben, wie kostbar solche Momente mit den Schülern sind. Wie sinnig solche „Verzauberungen“ sind und was sie bewirken, im Sozialen, in der Beziehung unter uns…im Moment und auch langfristig.

Eine wunderschöne Gelegenheit ergab sich heute, die nicht schöner hätte sein können.
Einige „work and away“ people (Leute, die kommen, helfen und gehen) ackerten auf dem Feld herum. Ich fragte, ob wir wohl mithelfen könnten….Na klar, durften wir. Aber eben nicht einfach so ziellos, sondern ganz ordentlich und bedacht. Jeweils ein Kind kam zu mir, ich zeigte ihm, in welchem Abstand (eine Handbreit) die kleinen Zwiebelchen gesetzt werden und wie tief (einen Finger tief). Dann durfte jedes Kind einzeln eine Zwiebel mit Spitze nach oben in das Löchlein hinein legen und auf einem entsprechenden Gang um die Einpflanzungen herum wandern, bis es wieder zur Gruppe kam. Auf diese Weise konnte jedes Kind auch die anderen Pflänzlein betrachten, die ebenso heute in die Erde kamen.

Ehrlich, ich empfand diese Momente als so unendlich kostbar für die Kinder, dass ich überglücklich war.

In der Schule dann, bereitete ich neue Epochenhefte vor, in die wir nun an jedem Mittwoch einen neuen Eintrag vornehmen werden.
Morgen wird es um die Zwiebeln gehen und auch darum, wie kleine Zieglein aufwachsen und von der Mutter versorgt werden. Denn es waren heute lauter kleine, neue Zieglein da, die alle gestreichelt werden wollten. Alle Buchstaben sind ja nun eingeführt!

Die Kinder waren im Anschluss daran ganz erfüllt, so wie an jedem Mittwoch.

Wenn man Saaten sät

„Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt,

er hält seine Felder und Wiesen instand;
er pflüget den Boden , er egget und sät

und regt seine Hände früh morgens und spät…..“

Es wird viel Saat angesät gerade. Welche davon wirklich aufgeht, ist die Frage. Der Boden muss bereitet sein, die Witterungsverhältnisse entsprechend günstig und die Sterne sollten gut stehen, um möglichst viele kleine Samen in ihrem Prozess zu unterstützen.

In den staatlichen Schulen werden jedes Jahr neue Lehrer eingestellt. Die meisten von ihnen haben diesen Beruf gewählt, weil sie eine Vision haben. Sie wollen mit ihrer Kraft, mit Kopf, Herz und Hand dafür eintreten, dass Kinder sich in der Schule positiv entwickeln können.
Und dann erleben diese Lehrer, auch während der Ausbildung ja oft schon,  einen Schock.

Man hat sich das Schulleben anders vorgestellt. Jedenfalls nicht so, wie es nun mal ist.

Ich kann nun nicht von anderen Lehrern sprechen, erleben tue ich, dass sie nach einiger Zeit ihre Vision verdrängt haben und sich an die offen kundige Schul-Realität angepasst haben, um zu überleben, um weiterhin als Lehrer arbeiten zu können. Denn sicherlich gibt es ja auch einige schöne Momente, Erfolge, auch wenn sie noch so klein sind…

Ja, Erfolge gibt es. Insbesondere erlebe ich diese Erfolge in den Kindern, die ich unterrichte, aber wohl nur deshalb, weil es mir wichtig ist, dass die Kinder sich nach einem Schultag gut fühlen. Sie sollen nicht mit dem Gefühl nach Hause gehen „das und jenes kann ich nicht…“, sondern erlebt haben, wie sie sehr stark Anteil nehmen können an der Entwicklung eines Tages, wie sehr sie ihn mitgestalten können und dabei  häufig positive Entwicklungsprozesse machen können.
Sie sollen doch erleben, dass sie wertvoll sind und Tatkraft auch umsetzen können, sie sollen erleben, wie schön es sein kann, gemeinsam etwas zu tun. Und das erleben sie bei mir. Ich arbeite mit Elementen aus der Waldorfpädagogik, lasse Tanz, Theater einfließen, Yoga, Kunst, Handwerk und Musik, so oft es geht. Denn aus diesen Quellen schöpfen sie dasjenige, was ihnen Aufrichtekräfte geben kann. Sie erleben, dass sie nützlich sind und die Welt mit gestalten können.
Ich weiß nicht, welchen kleinen Knirps ich da vor mir habe, der da auf der 2. Schulbank sitzt und ständig abhauen will….um wieder gefunden zu werden… Nein, ich weiß nicht, ob er vielleicht einmal den Friedensnobelpreis erhalten wird. Aber ich muss  in einem kleinen Knirps die ganze Welt sehen wollen, alle Möglichkeiten, alle Kräfte und ganz viel Hoffnung, Zuversicht, Vertrauen  und Liebe.
Das alles kann ich ihm ganz schnell durch meinen Blick entreißen….dieses Gefühl von Großartigkeit. Auch, indem ich es nämlich nicht mit künstlerischen Medien hervor- und herauslocke, das Individuelle, das Kostbarste, was es gibt. Indem ich ein Kind mit herkömmlichen Fibeln, Sprach- und Mathebüchern abfertige, ihn nicht mit seiner eigenen Hände arbeiten lasse, sondern nur Kopien ausfüllen lasse, Kärtchen aneinander legen lasse usw. denn in dem Fall erlebt sich das Kind heute im Grunde als unfähig, als eingeschränkt und beschränkt.

Schulbücher werden nur in wenigen Fällen aus der Praxis gemacht, denn mit einer kleineren Auflage ist es natürlich teurer, gute , praxisnahe und förderliche Materialien zu produzieren. Die meisten Schulbücher entstehen als „Kopfgeburt“, ohne Bezug und Verständnis vom Wesen eines sich heran wachsenden Kindes. Das erlebe ich täglich, wenn ich sehe, wie die Kinder über einzelne Aufgaben verzweifeln, weil sie sie schlichtweg nicht verstehen. Manchmal fällt es sogar mir schwer, zu verstehen, was da eigentlich gewollt wird….Überall Symbole….nach denen man sich orientieren muss….viel Schriftsprache, die Kinder noch gar nicht entschlüsseln können… Dadurch entstehen große Unsicherheiten und Abhängigkeiten von Helfern, die nicht anwesend sind. Und wenn man weiß, dass es auch andere Bücher gibt, viel bessere, dann verzweifelt man doch an der Tatsache, dass gerade diese Materialien nicht angeschafft werden, obwohl klar ist, dass Kinder damit entwicklungsgemäßer und sinniger lernen könnten.
Die Buchauswahl trifft nicht etwa der Senat oder das Kultusministerium. Nein, die trifft das Team aus dem Kollegium. Und da wird durch Mehrheitsentscheid entschieden. Da kann man gar nichts machen…..nur überzeugen….und das geht eben nicht, weil der Preis letztendlich siegt! „Ne, das ist zu teuer“! Na und ?

Wir haben in allen Schulen Inklusion, auch an Brennpunktschulen. Wir haben fast 2/3 . Kinder mit Förderbedarf. Wir unterrichten alle mit den gleichen Materialien, weil alles andere wäre teurer.

Es ist ein Wahnsinn, der da geschieht in den Schulen, ein Wahnsinn! Lehrer ohne zusätzliche Pädagogen sollen eine Klasse alleine unterrichten…..
Das geht nur , wenn es eben anders gehen kann, ohne Mehrheitsentscheide oder Standards. Und zwar so, wie jeder Lehrer sich das zutraut. Jedem Lehrer muss es möglich sein, selbst zu entscheiden, wie man und mit welchen Mitteln man Lernziele erreicht.

 

Es ist so schade um die schönen Ideen der Pädagogen, die wirklich mit einer großen Strahlekraft an der Welt rütteln wollen, wenn sie in den Beruf einsteigen und dann langsam und stetig verblassen, keine Kräfte mehr haben, ins Burnout hinein fleißen oder sich ganz von dem Beruf verabschieden und vielleicht zum Hartz 4 Empfänger werden, mit all dem in ihnen brach liegenden Potential….

„Solche kreativen Leutchen müssen in das staatl. Bildungswesen, in die Unis, überall hin….und sie müssen gelassen werden mit dem, was sie zu sagen und insbesondere zu tun haben….“Lasst sie bitte einfach machen und beobachtet, was geschieht.

Damit die Saat aufgeht und das Neue, sich fort Entwickelnde sich verbreiten darf, gerade im Bildungssystem.