„Normal“?

Mein Blick ist verständlicherweise verzerrt. Als Lehrerin an einer berliner Brennpunktschule in einem „Brennpunktgebiet“, konfrontiere ich mich täglich mit Kindern, deren Herkunft, Erziehung und Sozialisierung mir selbstverständlich nicht egal ist, ich mir aber doch immer wieder klar mache, dass es auf meine Präsenz und meinen Unterricht ankommt. Es geht nicht darum, Kinder irgendwo hinzurücken, auch nicht darum, Traumata aufzudecken oder zu heilen, es geht nicht darum, Gewohnheiten zunichte zu machen oder Attacken auf die Elternhäuser loszuschieben. Es geht noch nicht einmal darum, im Falle des Verdachtes auf eventuelle Gewalt an Kindern durch die Elternhäuser genau das aufzudecken. Gerade das geht nach hinten los, das musste ich schwerlich lernen….
Worum geht es also?

Mir wurde bewusst, dass ich überhaupt gar nichts ändern kann. Ich habe die Chance wahrzunehmen,  dass das Kind, welches mir anvertraut wird und das sind sehr viele, aus einem bestimmten Grunde zu mir gekommen ist. Den Sinn, den das ergeben soll, den möchte ich gar nicht unbedingt wissen, was ich allerdings von mir verlange ist: Präsenz, Demut, Hingabe.

Das ist viel.
Und das ist schwer.

Bei all dem Stress und den Herausforderungen, sind diese drei Dinge wohl das allerschwierigste, dessen Gelingen in jedem Moment auf´s Neue herausgefordert wird.
Es ist ja nicht so, dass man vor der Schultüre seinen Privatmantel einfach so abstreifen kann. Angedacht ist es so, frei von privater Emotionalität zu sein, frei von Verletzungen, die man selbst mitbringt, frei von dem Bedürfnis, einfach weiter zu schlafen, wenn man überhaupt schlafen konnte Geht das? Bis zu einem gewissen Grade schon, aber wo ist die Grenze? Die Grenze ist wohl dort, wo ich selbst nicht mehr in der Lage bin, präsent und liebevoll zu agieren. Dort, wo ich unfair werde den Kindern gegenüber. Dort wo ich ungeduldig bin, dort wo ich so wahnsinnig genervt bin von einem Kind, weil es das einfachste immer noch nicht kapiert und umsetzen kann. Wenn ich da nicht in meiner Mitte bleiben kann, weil eigene, private Verletzungen so stark zuschlagen, dann muss ich eine Notbremse ziehen, um den Kindern keinen Schaden zuzufügen.

Welcher Lehrerhaushalt bleibt von privaten Sorgen unberührt? Da gibt es wohl nicht viele.
Die Tage in der Schule sind kein Kampf, sonst hätte ich meine Arbeit längst abgelegt. Sie sind eine unglaublich starke Herausforderung an das Höchste in mir. Und wenn das mal Hilfe benötigt, dann sollte sich niemand scheuen, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.
„Wir sind doch auch nur Menschen…“, das sagen viele. Nein, gerade weil wir Menschen sind, müssen wir erkennen, wann die Notbremse gezogen werden muss, wann es nicht mehr geht oder eine Auszeit nötig ist.

Heute in Schulen zu arbeiten ist krass. Sehr krass. So krass, dass man sich das gar nicht vorstellen kann.
Ich bin so erschrocken manchmal über mich. Wie eine Soldatin pfeife ich Kinder zurück, „rücke“ sie zurecht, mahne sie ab, stelle Forderungen.
Was immer wieder hilft ist die Kunst. Die Musik, das Malen, das Tanzen, das Handwerk. Wenn wir in der Lage sind, das Persönliche da zu lassen, wo es hingehört, dann bleibt da das Schöne, was wir in der Lage sind zu schaffen, mit unserer Hände Arbeit, mit unserer seelischen Anteilnahme und mit unserem Ausatmen. Das Schöne eben….

Wie gut, dass ich Waldorflehrerin bin….

Advertisements

Klasse Resumee

Dass Lamas sich so gut mit Schafen verstehen, ist schon niedlich. Natürlich ist das dennoch kein wirklich toller Lebensort, auch, wenn es sich um einen Biobauernhof handelt, der offen ist für alle und auch stundenweise mit Kindern arbeitet, die eine traumatische Kindheit hatten.
Die Tiere bieten diesen Kindern Schutz , Zärtlichkeit und das Gefühl, wichtig zu sein…. Das sind tolle Therapeuten, diese Tiere.
Seit zwei Jahren besuche ich sie mit meiner nun 2. Klasse in einer Brennpunktgrundschule in Berlin.
Meine Methodik orientiert sich sehr stark an der Waldorfpädagogik, weil ich von Herzen Waldorflehrerin bin. Aber auch Yoga, Entspannungstechiken und therapeutisches Malen, Psychomotorik und Elternarbeit fließt in meine Tätigkeit ein.
Zur Zeit bereite ich den Elternabend für die kommenden Eltern der neuen ersten Klasse vor, die dann auch eventuell bis zur 6. Klasse die gleiche Klassenlehrerin hat, also auch noch viel mehr Möglichkeiten birgt, in die Waldorfpädagogik mit all ihren Epochen einzusteigen. Das ist natürlich eine tolle Möglichkeit und es bestätigt sich für mich nicht, dass man so gar keine Möglichkeiten hat, im Staatsschulwesen aktiv Verbesserungen einzubringen. Ich nehme ohnehin wahr, dass der Lehrplan nur eingehalten werden kann, wenn man sich auf eine entwicklungsgemäße, naturnahe und nachhaltige „Erziehung“, bzw. „Anregung“ einlässt. Ich beobachte bei meinen Schulkindern eine große Selbsttätigkeit, ein großes Verlangen nach Zusammenarbeit und eine ausgerichtete Fokussierung auf die Lehrerpersönlichkeit, was ja auch zur Waldorfpädagogik gehört.
Ohne die vielen Abstecher innerhalb des Unterrichts; zum Aktivspielplatz, zum Bauernhof, in den Wald, zu verschiedenen Theateraufführungen und auch die eigenen Produktionen, wäre mein Einfluss auf die Kinder nicht so groß gewesen und die Ergebnisse, die sie erzielen, sprechen für sich. Außer, dass sie alle lesen können, tragen sie Gedichte vor der Klasse oder anderen Klassen vor, arbeiten eigenständige Projekte aus, bringen Ideen ein, haben ihre Sprechfähigkeit ausgebildet/ es sind zu 98 % Migrantenkinder und sie lieben Mathematik und helfen sich gegenseitig sehr gerne. Ich finde, das ist ein tolles Resumee meiner letzten zwei Jahre, wo ich aktiv kämpfte für eine Integration der Waldorfpädagogik in das klassische Schulsystem.

Schleuse

 

 

Stelle Dir vor, Du wachst morgens auf und kannst Dich mit Deinem linken Arm und Deinem linken Bein nicht mehr bewegen. Du rufst Deine Partnerin und merkst, dass es nicht funktioniert. Was ist passiert?

Die Erfahrung eines Schlaganfalles ist sehr unterschiedlich und er läuft bei allen Patienten anders ab. Eines aber begleitet alle: Die Angst vor dieser neuen Grenzerfahrung, die Angst, alleine zu sein, so hilflos, so abhängig. Viele Patienten merken nach einer Operation, dass sie unglaublich geräuschempfindlich sind, jedes Klappern von Töpfen ist ein Horror, jedes erhobene Stimmlein schmerzt in den Ohren. Jedes zu viel an Gerede kann einen Tinitus auslösen.
Es ist kaum vorstellbar, wie sehr der ganze Mensch in Mitleidenschaft gezogen wird, bei einem solchen Erlebnis.
Nichts wird mehr ersehnt als wahrgenommen zu werden, lieb gehabt zu werden, gesehen zu werden, ernst genommen zu werden, gerade, wenn man nicht mehr sprechen kann.
Die Chirurgen in den modernen Krankenhäusern können einen Menschen schnell auseinander und wieder zusammenbauen. Auch das Gehirn lässt sich schnell öffnen, behandeln und wieder schließen. Auch eine große Wunde und Narbe lässt sich wieder schließen und ausheilen. Mit ihnen aber auch die Gefühle? Wie ist es mit dem Seelischen? Bei all den technischen Möglichkeiten bleiben diese besonders feinen Herangehensweisen an einen Menschen hinten vor. Es geht funktional um das Reparieren, wieder herstellen und wieder funktionsfähig machen.

Es gibt Menschen, bei denen bleibt es nicht bei diesem Schlaganfall. Nach der Reha, die dann nach Wochen endlich abgeschlossen ist,  kann es z.B. zu einer Infektion des Schädelknochens mit sofortiger Entfernung dessen kommen. Da war man abgestürzt, kletterte langsam wieder empor und schwupps, wird man wieder hinunter geworfen in ein tiefes Loch.

Wo hin mit all den Gefühlen, mit all den Ängsten und Sorgen? Drohende Arbeitsunfähigkeit, finanzieller Absturz, soziale Veränderungen usw. kündigen sich an.

Das alles braucht mehr als nur blanke Funktionalität. Es braucht Zeit, Raum und viel Hingabe. Bei allen gigantischen Errungenschaften, bleibt die menschliche Wärme und Zuneigung das wichtigste Gut.

 

Schleuse: Vorher und nachher, das „Dazwischen“ zählt.

Zum Beispiel hier, da gibt es auch noch Komplementärmedizin dazu: https://www.gemeinschaftskrankenhaus.de/fachabteilungen/chirurgie/

Was ist

manchmal kommt Mensch in Situationen, die unvorhersehbar dramatisch werden. Ein Gefühl der Ohnmacht, existenzieller Angst, Sorge um Verlust, Todesangst, Angst vor Einsamkeit oder ähnliches treten auf.
Man kann Erklärungen im Jetzt suchen und bestimmte Dinge verstehen, man kann auch übergeordnete, höhere Gesetzmäßigkeiten finden, die zu Rate gezogen werden, um sich innerlich wieder mit sich selbst verbinden zu können und im Einklang mit sich zu sein.

Rituale der Reinigung des Energiekörpers sind sehr wirksam, um Altes abgeben zu können. Zum Beispiel durch Feuerritual: „Klage an, bringe auf den Punkt, was der oder diejenige Dir angetan hat! Für Dich, ohne das Gegenüber. Wenn Du willst nimm Dir Helfer die Deine Wut verstärken.
Mach die gemeinte Person verantwortlich für Deinen Schmerz! Schreie die Aggressionen heraus, gehe ganz tief in den Schmerz, so tief Du kannst und schreibe all das noch auf und entzünde es dann in einem Feuer und lasse es gehen…..“

Tu` Dir gut, nimm ein heißes Fußbad, ein Bad, entspanne und spüre nach.

Wenn dann ein Bild auftaucht, ein Schmerz, der so groß ist, dass Du es kaum aushältst, dann schaue nach, wann Du diesen Schmerz schon einmal gespürt hast. Schaue nach, wie sich das Kind in Dir fühlt, was kannst Du in ihm sehen, was macht es traurig? Und wenn Du seine Trauer siehst, dann frage Dich, was aus dem Kind geworden ist, mit dieser Trauer. Umarme das Kind, schenke ihm eine Farbe und lass die Farbe innig um und in es hinein wirken. Wie fühlt sich das Kind? Wie lebendig ist es? Wie fühlt sich das Kind dann? …..

Es ist so unglaublich kraftvoll, was aus solchen Ritualen und Zeremonien entstehen kann…. „Clearings“, es sind klärende, stärkende und bewusstmachende Rituale, die Dir helfen können, Deine Mitte wieder zu finden, um letztendlich in Liebe zu sein mit allem, was um Dich ist. Ohne die höher geordneten, spirituelle Helfer um uns herum, sind wir doch nur halb Mensch.

„Ich bin die Mutter Sonne, ich trage die Erde bei Nacht, die Erde bei Tag.
ich halte sie fest und strahle sie an, dass alles auf ihr wachsen kann.
Steine, Blume, Mensch und Tier, alles empfängt sein Licht von ihr.
Tu auf Dein Herz, wie ein Becherlein, dass ich kann leuchten dort hinein….
Tu auf Dein Herzlein, liebes Kind, dass wir ein Licht zusammmen sind!“

Alles hat seine Zeit

Da ich wirklich aus der Erfahrung mit ungalublich vielen, ich denke schon ca. 1000 Kindern, heraus immer wieder feststelle, dass jede Entwicklung in einem ungefähren Zeitfenster geschieht, habe ich heute wieder die Bestätigung dafür bekommen.
Meine Schüler hatten vor den Weihnachtsferien das Schreiben mit Gänsefedern mit mir geübt. Bis dahin haben wir mit Wachsmalblöckchen, dann mit Wachsmalstiften und zuletzt mit Dickie Buntstiften geschrieben.
Als ich nun heute die neuen Füller einführte, auf die einige schon sehnlichst warteten, beobachtete ich, wie schön und gleichmäßig sie damit schreiben konnten. Ihr Griff war genau passend, die Schreibführung wie von Zauberhand geführt, fließend und sauber, ohne Gekleckse und ganz konzentriert.
Es ist so schön, dadurch wiederum die Bestätigung zu erfahren, dass alles seine Zeit hat und bei guten Bedingungen mit vorbereiteter Grundstimmung die nächsten, positiven Entwicklungsschritte gemacht werden können, ohne dass ein Kind ein Misserfolg erlebt. Es motiviert einfach die Kinder, nun das Schreiben weiter zu üben….

Liebesgeschichte „Diese Seite kenne ich leider gar nicht von Dir!“

Weihnachtstag, beim Mittagessen am lodernden Kamin. „Wie schade, dass ich Dich gar nicht kannte, als Du so jung warst!“ , sagte mein mir gegenüber sitzender Mann. „Mmm, ja, jetzt bin ich alt und hässlich…“, grummelte ich. Er daraufhin: „Nein, das wollte ich damit nicht sagen nur, dass ich diesen Lebensabschnitt von Dir gar nicht kenne, also diesen Teil von Dir, den hätte ich eben auch gerne gekannt…“
Und so erzählte ich ihm folgende Geschichte, die mir geschah, als ich 15 war.

Ich hatte mit 15 meinen Realschuabschluss gemacht und war noch so wahnsinnig jung, dass ich  überhaupt nicht wusste, was ich nun anfangen sollte. Meine Eltern mussten mich für eine Schulversagerin halten, denn diesen blöden Realschulabschluss hatte ich nur geschafft, weil meine Freundin damals so taff war, mir während der Prüfungs-Clausur die Englisch Nacherzählung zu korrigieren…Hätte sie das nicht gemacht, wäre ich glatt durchgefallen, denn ich hatte überhaupt eine Kompetenzen in dem Fach. Zumindest nicht schriftlich. Unterhalten konnte ich mich recht gut in der englischen Sprache.
Ich wollte Schauspielerin werden, aber das erlaubte mein Vater nicht, da er selbst Schauspieler war und in mich hinein implizierte, dass ich mal so enden würde, wie viele seiner Schauspielkolleginnen: In Abhängigkeit von einem Regisseur und wenn ich dann älter wäre, dann würde ich gar keine Rollen mehr bekommen…
So- und ihm vertraute ich eben und wusste nicht, was ich stattdessen werden wollte. So stellte mein Vater mich einem Gutsbesitzer in Hamburg Bergstedt vor. Dieser suchte eine Empfangsdame, die auch putzen sollte und sich um die Kinder kümmern musste. Mein Vater hoffte wohl, dass mich dann irgend ein wohlhabender Gast heiraten würde. So etwas Schräges. Als ich dann demonstrieren sollte, dass ich mit einem Staubsauger umgehen konnte, schmiss ich diesen in die teure Ecke des Wohnzimmers und somit war die Sache für mich erledigt. Mein Vater hatte nun kapiert, dass er sich aus einem Leben raushalten sollte und ich hatte realisiert, dass ich so schnell wie möglich das Weite suchen musste. Also entschied ich mich, auch wenn ich wusste, dass ich eine schlechte Schülerin sei, von nun ab eifriger zu lernen und mein Abitur nach zu machen.
Zwei Monate später besuchte ich dann zunächst für ein Jahr eine Höhere Handelsschule, um danach auf ein Gymnasium zu wechseln.
Plötzlich hatte ich nicht mehr das Gefühl, eine dumme Schülerin zu sein. Dem Deutschlehrer gefielen meine Aufsätze so sehr, dass ich sie von nun an vorlesen durfte und Einsen dafür bekam, während ich vorher glatte Fünfen erhielt.

Das Abitur war kein Zuckerschlecken, aber mir war es wichtig, danach studieren zu können. Und zwar etwas, was  ich für mein Leben wirklich gebrauchen könnte. Ich wollte Töpfern lernen, Klavier spielen, Sport und Kunst. Das waren Fächer, in die ich sonst niemals wirklich ausgiebig genug hatte eintauchen können. Also entschied ich mich für ein Grundschullehrer Studium in Göttingen. Ich erhielt sofort einen Studienplatz, zusammen mit meiner Freundin, die ebenfalls Musik studieren wollte. Wir suchten uns eine gemeinsame Wohnung und erhielten kurz vor Studienbeginn die Mitteilung, dass die Pädagogische Hochschule in Göttingen alle eingetragenen Grundschullehramtskandidaten nach Lüneburg versetzen würde. O je, wie sollten wir nur so spontan eine Wohnung dort finden? Ging nicht, gemeinsam wenigstens erstmal nicht, aber wir schworen uns, dass wir gemeinsam suchen würden. So zog ich in ein Zimmer unter dem Dach meiner Großtante und meines Großonkels, der Geigenlehrer war. Meine Freundin zog in eine kleine Wohnung über einer Bäckerei, in der meine Tante arbeitete. Dort trafen wir uns oft, kochten zusammen, duschen tat meine Freundin bei mir, weil sie weder Dusche noch Fenster nach Außen in dieser Wohnung hatte. Das einzige, was sie den ganzen Tag einatmete war der Duft von backenden Brötchen und Keksen.
Gemütlich war es dennoch und irgendwie empfanden wir  das erste Mal das Gefühl gelebter Freiheit.

Viel unternahmen wir neben unseres erfüllenden Studiums miteinander. Natürlich sehnte ich mich auch insgeheim nach einer Theaterrolle. Außer Kunst, Musik und Sport studierte ich Deutsch. Irgendwann fragte mich der Professor, ob ich nicht Lust hätte, in seiner Theatergruppe mit zu spielen. Klar- hatte ich natürlich sofort! Und wie geehrt ich mich fühlte. Als ich zum ersten Mal zu den Proben kam, das Treffen fand in seiner Altbauwohnung statt, erwartete ich dort auch die anderen Laien Schauspieler. Ich kam mit dem Fahrrad und kurz vor der Wohnung nahm mir so ein Blödkopf die Vorfahrt, ich schrie ihn laut an…stellte mein Fahrrad ab und ging in die Wohnung. Auf dem Wege dorthin, kam dieser Blödkopf ebenso herbei geschnauft und wir beide gingen zusammen in die Wohnung des Profs. Ja, entschuldigt hatte er sich noch, lieb…
Das erste Treffen war sehr gut. Und ob ich es nun wollte oder nicht, verliebte ich mich unmittelbar in den Hauptdarsteller, dessen Mutter ich spielen sollte. Es war der Blödkopf, der mir die Vorfahrt nahm.

Einen Abend später traf ich ihn, zusammen mit ein paar Artistenfreunden vor der Fachhochschule für Sozialpädagogik, wo ich mir ein Stück von Dario Fo anschauen wollte. Die Leute um ihn herum studierten mit ihm artistische Stellungen ein. Meine Augen richteten sich nur auf ihn, das Stück, welches ich danach sah, habe ich nicht wahr genommen. Nach dem Stück führte er als Pantomime noch eine eigene, kleine Performance auf. Und außer seine Freunde und mich interessierte das niemanden.

Seine Freunde beeindruckten mich ebenso sehr. Sie symbolisierten für mich den Inbegriff des Hippietums, die Frauen hatten lange Kleider an und Schmuck, lange Haare, so wie ich und waren einfach im Vergleich zu allen anderen wirklich karismatisch . Als er mit seiner Pantomime fertig war rannte ich zu ihm und lobte ihn für seinen Auftritt.
Er war gerührt von meinem Zuspruch und meiner Ermutigung.
Schade war nur, dass er die selbe Nacht noch mit seinen Freunden nach Griechenland fahren wollte.6 Wochen lang, die Ferien über. Erst nach den Semesterferien sollte ich ihn also zu den Proben wiedertreffen können…
Das war hart für mich. Ich wusste ja, wo sein Auto stand und hinterließ ihm eine  kleine Nachricht.  Was ich geschrieben hatte, erinnere ich nicht mehr, aber wie ich mich von früher kenne, stand sicherlich darauf :“ Ich wünsche Dir schöne Ferien und freue mich auf ein Wiedersehen mit Dir!“

Und so ließ ich die Erinnerung an ihn 6 Wochen lang auf mich wirken. Ich weiß nicht mehr, was ich in den Ferien machte nur, dass ich irgendwann zu einem Zelttheater ging, wo wieder irgendeine Vorstellung zu sehen war. Und Theater liebte ich sehr. Ich ging mit meiner Freundin zusammen dorthin und wir setzten uns auf eine Zirkusbank. Als das Stück in vollem Gange war, sah ich eine Bank weiter eben genau diesen Typen, in den ich mich sofort verliebt hatte. Ohne zu überlegen und ohne meiner Freundin irgend etwas zu sagen (was ich erst Jahre später realisierte und bedauerte), setzte ich mich sofort neben ihn. Er freute sich, mich zu sehen. Die Vorstellung schauten wir gemeinsam weiter, aber ich kann nicht sagen, um welchen Inhalt es sich gehandelt hat.
Nach der Vorstellung saßen wir so lange auf der Bank, bis keiner mehr im Zuschauerraum war. Wir erzählten und gingen dann irgendwann raus, stellten uns unter eine Laterne, die Kirchenglocke läutete 24 Uhr. Und sie läutete, 1 Uhr und 2 Uhr und 3 Uhr und 4 Uhr und 5 Uhr und 6 Uhr. Und dann, als ich realisierte, dass ich ja gleich Vorlesung hätte, befand ich mich in einem Schwall wundersamer, Hormon gesteuerter, völlig wahnsinniger Fantasien. Wir haben die ganze Zeit geknutscht, uns unterhalten, geknutscht und uns unterhalten. Um 7 Uhr verabredeten wir uns für den darauf folgenden Tag bei ihm zum Kochen, wo dann unsere Liebesgeschichte seinen Lauf begann und erst nach 25 Jahren erlosch, wir haben zwei gemeinsame Kinder, werden uns immer lieben aber nicht mehr miteinander leben.
Während dieser ersten zwei Jahre unserer Begegnung, da traf ich per Zufall in einer Hamburger Wohnung meinen jetzigen Mann. Ich besuchte meine Schauspielfreundin, er kam aus Pforzheim und war an dem Tag durch eine Schauspielprüfung gefallen, denn er wollte Schauspieler werden. Und in der Wohnung trafen wir uns, weil er dort eine ehemalige Klassenkameradin traf, mit der er auf die Waldorfschule ging und die mit meiner Freundin auf die gleiche Schauspielschule ging.
Ich war wie wahnsinnig verliebt in meinen Artistenfreund aus dem Zelt und dennoch hatten wir beide nun, also der Waldorfschüler und ich, der im übrigen für mich der erste Waldorfschüler meines Lebens war, eine tolle Kerzenscheinnacht zusammen, fast ohne Körperkontakt. Aber mit nachhaltender Wirkung, denn von da ab schrieben wir uns Briefe, unendlich schöne Briefe, ich hatte niemals einen Menschen getroffen, der so wie ich, gerne Briefe schrieb und dazu noch in einer so unglaublich künstlerischen Handschrift….25 Jahre später begegneten wir uns wieder und beschlossen, unseren Lebensweg von da ab weiter zusammen zu gehen. Und dennoch gehört das alles für mich zusammen…..“Ja, diesen Teil von Dir, den kenne ich leider nicht, die Rebellin, die sich von zu Hause löst, um ihren eigenen Weg zu finden!“ Genau, den kennt mein jetziger Mann nicht im Vergleich zu meinem Ersten.

Eltern, geht auf die Straße! Kämpft für Eure Kinder!

In der Überschrift sitzt sehr viel Kraft. Sie richtet sich an Eltern, denen die Situation in der Schule nicht gefällt, die aber nichts bewegen, da sie ihren Unmut für sich behalten oder sich nur untereinander austauschen.

Manchmal denke ich bildhaft über mein ganzes Leben nach. Ich beginne von der Geburt, den ersten Jahren mit meinen Eltern, meinen frühkindlichen Erfahrungen, ich denke an die Menschen, zu denen ich Kontakt hatte, die mir in bleibender Erinnerung sind und ich denke an spätere Zeiten. An die Zeit, in der ich, in meinen Augen von der 5.-9. Klasse, sinnlos in irgend einem entsetzlichen Schulgebäude, Lebenszeit vergeuden musste. Wenn ich an diese Zeit denke, sehe ich die Kraft, das Potential, mit dem ich ausgestattet war. Und ich sehe das Potential meiner Klassenkameraden und Freunde, sehe, dass wir uns dort wunderbar treffen konnten, begegnen konnten, kennen lernen konnten, dass aber z.B. ich während dieser Zeit permanent mit Schulängsten, mit Versagensängsten, mit Ängsten, die das Gebäude betrafen, mit Anonymität, mit Kälteempfinden, mit Schlaflosigkeit, mit Verzweiflung, Demütigungen von Seiten einiger Lehrer und mit konkreten Verletzungen von Seiten aggressiver Jungs umgehen musste, die aufgrund der Schulstruktur, der Menge an Menschen und des Stresses der einzelnen Pädagogen zustande kamen. Klar kann man da sagen: “ Da muss man durch“, „Was Dich nicht umbringt, macht Dich härter“, „Daran wächst Du“…… Nein! Rückschauend, bezogen auf die Summe der Bilder in meinem Leben, hätte ich gerne auf diese Zeit verzichtet. Nicht auf meine Freude, denn die waren ein besonderer Glücksgriff für mich, nein, bezogen auf den Umstand, dass ich in eine Schule gehen musste, die mir nicht gerecht werden konnte und die mir keine Freude, sondern nur Leid bringen konnte. Das Unterrichtspensum hätte ich locker alleine in viel kürzerer Zeit autark erwerben können. Das, was mich niemand lehrte und was ich auch nicht alleine hätte lernen können, das waren Dinge, die mir für mein praktisches Leben geholfen hätten. Für das Leben, in dem ich eigenverantwortlich Entscheidungen treffe, mein Leben selbst gestalte, meinen Tagesablauf kreiere. Handwerke, Theaterspielen, Orchesterarbeit, Erlebnispädagogik, Kunsterfahrungen, Sprachgestaltung, Choreographie, Eurythmie/ Lebensschulung/Heileurythmie….und vieles mehr. Aber das Wichtigste wäre gewesen, dass ich das Gefühl hätte haben können, in einem angstfreien Raum zu sein, der mir einen gewissen Schutz bietet, der mich entwickeln lässt ohne gezogen zu werden, der mir Zeit gibt, zu mir zu kommen, der mir das Gefühl gibt, richtig zu sein.

Es war nur eine kurze Zeit, die ich in einer solchen Schule verbrachte. Zum Glück befreite ich mich aus dieser Situation, suchte ein schönes Gymnasium auf und entwickelte mich weiter. Dort traf ich auf Menschen, die mich sahen und die mich durch Liebe förderten.

Da ich selbst nun Lehrerin bin, versuche ich mein Bestes, Kindern diese positiven Gefühle geben zu können. Und ich kann es nicht bei allen. Wie oft fühle ich mich hilflos, schlecht, weil ich nicht so handeln kann, wie ich es für das Kind für richtig halte. Nun habe ich da viele Kinder im Blick, die in meinen Augen am völlig falschen Platz sind. Es gibt so viele Förderkinder in den Schulen und es werden immer mehr. Durch die Inklusion wurde ein Sparmodell verwirklicht, welches einzig und alleine durch wirtschaftliche Ziele  initiiert wurde und wo es überhaupt nicht um „Inklusion“ geht.

Es gibt Kinder, die können ohne einen Einzelbetreuer nichts lernen, sind völlig alleine auf sich gestellt. Und es gibt unendlich viele Kinder, die so eine Einzelbetreuung nicht haben, aus welchen Gründen auch immer.
Fast alle Schulen werden mittlerweile zu Brennpunktschulen ernannt. Es brennt finanziell, ideell, menschlich, es brennt konzeptionell und  professionell. Das Kartenhaus ist längst eingebrochen. Und deswegen meine Überschrift: Eltern, geht auf die Straße, für Eure Kinder! Es darf kein Tag vergehen, an dem ein Kind nach Hause kommt und im Grunde nicht weiß, wieso es eigentlich heute in der Schule war. Ein jeder solcher Tag ist ein Tag, in dem Lebenszeit vergeudet und nicht entwicklungsgemäß genutzt wurde.
Liebe Eltern. Es geht in den Schulen schon lange nicht mehr nur um Leistungsoptimierung, vielleicht ging es auch nie wirklich darum, denn dann müsste jeder alleine zu Hause lernen, vielmehr geht es um Sozialisierung, es geht um die Möglichkeit, Räume zu schaffen, in dem etwas „abgeht“, etwas, was man nicht vergisst. Und zwar, weil man daran beteiligt war und ist. Weil man eine Stimme hat. Weil man gesehen wird, weil man etwas beitragen kann, weil man wahrgenommen wird! Und zwar jeder Mensch.

Es gibt heute überwiegend Kinder mit einem Förderbedarf in der emotionalen /sozialen Entwicklung.  Diese Kinder fallen auf. Sie sind meist hyperaktiv, oft aggressiv, unkonzentriert, eben „nervig“. Sie gehen einem auf den „Nerv“. Warum: Weil sie gesehen werden möchten, mit ihrem Schmerz, als ganzer Mensch. Ihre Leistung interessiert sie nicht die Bohne. Das alles macht für sie überhaupt gar keinen Sinn. Wie sinnlos muss ihnen diese Zeit vorkommen, wenn sie später darüber nachdenken, so wie ich das manchmal mit meinem Leben tue.
Da gibt es Förderkinder im Bereich Lernen. Ich kann mir vorstellen, wie diese Kinder sich fühlen, wenn sie Tag ein Tag aus Arbeitsblätter ausfüllen müssen oder Fibelseiten durcharbeiten, aus denen sie nicht mal die Aufgabenstellung begreifen, geschweige denn wissen, wo überhaupt die Aufgabe auf dem Blatt sich befindet. Wie fühlt man sich so hilflos, allein gelassen? Denn da ist niemand, der einem das 30 Mal erklären könnte, höchstens 10 Mal und dann sind die Kapazitäten erschöpft, denn es gibt viele Kinder mit einem Förderbedarf im Lernen. Da redet man doch lieber und stört die anderen dadurch, als dass man sich auf sein Versagen konzentrieren muss.
Du als Mutter, weißt Du, wie sich so etwas für Dein Kind anfühlt?

Dann gibt es noch Kinder mit dem Förderbedarf in der geistigen Entwicklung. Manchmal weiß man nicht, ob diese Kinder psychotisch sind oder eine geistige Beeinträchtigung haben, das kann man auch gar nicht so genau testen, weil es ja ohnehin auf den gesamten Menschen ankommt. Es gibt Kinder, die laufen in den Pausen an den Wänden entlang, um sich möglichst schnell verstecken zu können, unter einem Stuhl, unter einem Tisch, hinter einer Tür, in einem Schrank, hinter einem Blumentopf, in der Umkleidekabine einer Turnhalle. Weil diese Kinder keinen Einzelbetreuer haben, vermisst sie die Klassenlehrperson auch oft erst dann, wenn die Stunde wieder begonnen hat. Wenn das Kind dann von irgend jemand anderem „aufgegriffen“ wurde, wird es zum Stuhl hin gezerrt, weil es sich natürlich aufgrund seiner Scham dort hinziehen lassen muss…..wer geht schon gerne auf so eine Weise durch das Klassenzimmer, also geht es nur ziehend. Und das Stunde um Stunde….Man kann auch in den Pausen nicht alle  diese Kinder an der Hand halten, weil es zig andere Kinder gibt, die auseinander gerissen werden müssen, damit sie sich nicht die Köpfe einschlagen, weil Kinder vom Zaun runter geholt werden müssen, weil sie mal wieder auf das andere Grundstück wollen, weil man einem Jungen im letzten Moment die Steine aus der Hand nehmen muss, damit es diese nicht auf das gegenüber stehende Kind wirft. Weil man das Mädchen von der einen Kollegin wegreißen muss, weil es sie gerade beißt…..

Wollen Sie, liebe Eltern all diese Geschichten hören, in denen Sie erfahren könnten, dass ihr Kind gerade vor einem solchen Steinschlag von irgendeinem Lehrer gerettet wurde? Möchten Sie hören, dass Ihr Kind die ganze Pause über von anderen Kindern im Klo festgehalten wurde?

Jede dieser Geschichten ist eine Geschichte zu viel. Kein Kind sollte in eine solche Situation geraten, weil irgendwelche Theoretiker behaupten „Inklusion“ sei möglich, ohne dass Strukturen, Gebäude, Räume, Stundenpläne, Stundendeputate, Gehälter, Personalfragen usw. sich ändern?

„Machen Sie mal, Sie schaffen das!!!“

Ja, die, die das schaffen müssen, sitzen in den Schulen und haben es schwer. Ist es vergeudete Zeit? Wie werde ich diese Zeit empfinden, wenn ich über sie nachdenke? Soll ich Ihnen sagen, wie ich darüber denke? Es wird sich an dieser Situation nichts ändern, es wird sogar noch viel schlimmer. Solange die Eltern nicht massiver vorgehen, solange sie nicht für die gewaltfreie Beschulung und Bildung ihrer Kinder massiv eintreten, solange sie ihre Kinder weiter in die Schulen geben und nicht „nein/stopp!“ sagen.
Nicht nur untereinander auf dem Parkplatz, das reicht nicht.
Es gibt viele Lehrer, Menschen, die sich täglich um Ihre Kinder sorgen, sich bemühen, das Beste aus dem Ganzen heraus zu holen. Liebevoll.Unterstützen Sie den Raum der Kinder, der ein wunderbarer Raum sein kann.

Aber das reicht nicht.

Ein spannender Weg ist es, gemeinsam strahlen zu können.

Die Waldorfpädagogik, so wie sie von Steiner in seiner ersten Schule 1919 in Stuttgart angedacht war, hat sich bis heute um den ganzen Erdball verteilt. Es gibt Waldorfkindergärten, Waldorfschulen, anthroposophische Lebens- und Arbeitsgemeinschaften, Demeter Bauernhöfe, Heilpädagogische Waldorfeinrichtungen, Werkstätten, niedergelassene anthroposophische Ärzte, Heileurythmisten, Banken, anthroposophische Krankenhäuser, Geburtshäuser, gemeinschaftliche Unterkünfte für den älteren, hilfebedürftigen Menschen und mehr. Die Eurythmie hat sich in den letzten Jahren, als fester Bestandteil der Anthroposophie in mehreren Facetten publiker gemacht und tritt nicht nur in Waldorfschulen, sondern auch in der Öffentlichkeit selbstbewusster auf.
Diese Einrichtungen haben vieles gemeinsam. Innerhalb der verschiedenen Institutionen lebt ein bestimmter Geist, mit dem sich Menschen verbunden fühlen, die ihren Dienst dort tun.
In allen Institutionen kommen viele Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer kulturellen Prägung, ihrer Sprache und Religion zusammen , die sich gemeinsam einer Sache zuwenden, nämlich den Menschen in seinem ganzen Sein: Im Körperlichen, im Geistigen und im Seelischen  anzusprechen und zu erreichen.

Man trifft sehr unterschiedliche Menschen dort an, in unterschiedlichen Altersstufen, Reifegraden, Charakteren, Umgehensweisen, individuellen Fähigkeiten und Erscheinungsbildern.

Das, was mich persönlich Zeit meines Lebens begeistert hat, nicht nur in diesen Kreisen, sind Erlebnisse mit Menschen, die meinen Kindern und mir gegenüber vorurteilsfrei, offen, interessiert, empathisch und mitfühlend waren.
Ehrlich gesagt waren dies so viele Menschen, dass ich mich an alle erinnern und einzelne, konkrete Beispiele nennen kann. Das möchte ich nun auch gerne tun.
Mein erstes Erlebnis in diese Richtung war mit 4 Jahren. Ich saß bei meiner Lieblingsnachbarin eine Etage über uns und durfte mit all ihren Freunden Kaffetrinken, sprich: Kuchen essen … Ich fühlte mich in der Runde der Erwachsenen und älteren Menschen sehr wohl und gut aufgehoben, obwohl ich nur meine Nachbarin kannte. Da war ein älterer Mann, der mir ein Märchen erzählte und darüber mit mir ins Gespräch kam. Seine Fragen zum Inhalt des Märchens haben mich offenbar so sehr berührt, dass ich das unglaubliche Interesse seinerseits an meinen Gedanken als nährend empfand, ohne es damals hätte beschreiben zu können.
Das zweite Erleben war mit der Mutter meiner Freundin, ich war 5 und wollte bei ihr übernachten. Als es dann so weit war, bekam ich plötzlich Heimweh und wollte wirklich sofort nach Hause. Die Mutter meiner Freundin kam in das Zimmer und ging liebevoll auf mich ein. Sie nahm mich auf den Schoß, was sich schon wunderbar anfühlte und fragte mich genauer, was denn los sei. Als sie erkannte, dass ich ganz wirklich unbedingt nach Hause wollte, brachte sie mich zurück.
Mit 10 ging ich, wie fast alle, in die 4. Klasse einer Grundschule. Meine Lehrerin war so nett, herzlich, lächelnd, ruhig, abwartend, unterstützend und liebevoll, dass ich niemals ungern in die Schule ging in dieser Zeit (später war das komplett anders).
In der 12. Klasse bekam ich einen Chemielehrer, der wiederum eine ähnliche Wärme und Ruhe ausstrahlte, wie der Bekannte meiner Nachbarin früher, ich hatte sofort Vertrauen und liebte die Stunden bei ihm. Meine Leistungen im Fach Chemie waren katastrophal, ich hatte Chemie dennoch als Leistungskurs gewählt eben genau wegen dieses Lehers. Er unterhielt sich vor den Stunden interessiert mit uns Jugendlichen, über unsere Fragen zum Leben, zur Wirtschaft und Politik, er ermutigte uns, uns einzusetzen und gab uns das Gefühl, dass wir wichtig seien für die Welt. Ich schrieb bei der Abi-Clausur eine glatte 5- und musste dann ins mündliche Abi. Dort erhielt ich von drei Lehrern eine 1, weil ich echt gut vorbereitet war und bestand das Abi.
In der Uni begegneten mir einzelne, recht strahlende und karismatische Dozenten. Es war herrlich, mit ihnen zu diskutieren und im Fluss zu sein mit der ganzen Welt, so, wie ich es damals empfand. Meine Unizeit war geprägt von derartigen Erfahrungen und es war ein gutes Leben für mich mit all diesen tollen, wunderbaren, intelligenten, außergewöhnlichen, spannenden und interessierten Menschen.
Überwiegend faszinierten mich Männer mit ihrer Wärme. Erst nach der Geburt meiner ersten Tochter, lernte ich eine Sikh-Yoga-Lehrerin kennen, bei der ich gleichsam fühlte, was ich selbst bei anderen Frauen, auch bei meiner eigenen Mutter, leider nicht, wahrnehmen konnte. Eine unglaubliche Herzenskraft. Eine Ausdehnung, die sich körperlich bemerkbar machte.
Und später, als ich meine erste Tochter im Waldorfkindergarten anmeldete, da erlebte ich diese sich ausdehnende Herzenskraft nicht nur in den Pädagogen, sondern im ganzen Raum, in jedem einzelnen Teil, was sich dort befand. Es war ein Erlebnis, als wäre ich wirklich im Herzen angekommen. Und das war großartig, überwältigend.

Wie nur könnte ich eine solche Herzenswärme selbst auch entwickeln, so dass sie ausstrahlen kann in meine Umgebung? Das Studium von einigen Werken Steiners, auch während meiner Waldorflehrerausbildung im Anschluss an mein 2. Staatsexamen, brachte mich da noch nicht weiter.
Ich machte eine Yoga-Lehrer-Ausbildung, danach lernte ich Reiki und machte sogar eine Meisterausbildung, begann eine Craniosacral Massage- Ausbildung / Neurologie/ Psychiatrie und da entwickelte sich unglaublich viel in mir. Nach all diesen Ausbildungen hatte ich das Gefühl, lieben zu können. Ja, ich hatte es gelernt. Nur. Kam das auch rüber? Haben andere Menschen das auch wahrgenommen? Konnte ich das in mein Leben bringen? Über den Tellerrand meiner Familie hinaus? Ich eröffnete eine Heilpraxis und machte eine Heilpraktiker-Prüfung für den Bereich Psychotherapie, denn ich wollte lernen, üben, mich weiter entwickeln. Nahm Supervisionsstunden, arbeitete meine eigene Kindheit auf, lernte wiederum eine unglaublich tolle Heilerin und Ärztin kennen, die mich immer wieder ermutigte, meinen eigenen Weg zu gehen und den auch in die Welt zu bringen. Ich wandelte meine gesamte Organisation um, empfand es wie eine Transformation, ich wurde empfindungsgemäß zu einem völlig anderen Menschen. Und mit diesen Erfahrungen traute ich mich dann, irgendwann, eine erste Klasse an einer Waldorfschule zu führen. Ich wollte so sehr meine Liebeskräfte strömen lassen, zu den Kindern hin. Und ja, ich war angekommen, es gelang. Nur, meine nun ausgebildete Sensibilität führte dazu, dass ich nicht zu allem ja und Amen sagte. Ich stand ein für mich. Im Kollegium, bei den Eltern. Ich war mir treu und brachte dies auch zum Ausdruck. Mit der Konsequenz, dass ich heute, nach so vielen Jahren, noch nicht an einer Waldorfschule angekommen bin, nicht an einer von den vielen, die ich kennen lernen durfte als Klassenlehrerin.
Ich bin an einer staatlichen Schule und arbeite so, wie ich das für die Kinder und mich verantworten kann. Halte den Lehrplan ein und arbeite überwiegend aus dem Künstlerischen heraus, mit Waldorfinspiration, epochal, mit sinnigem Material und Herzenskraft. So gut es mir eben gelingt.

Aber: Ich bin meistens sehr enttäuscht über mich, weil es so viele Momente gibt, an denen ich nicht wirklich präsent, geistesgegenwärtig oder liebevoll genug bin. Damit ich mich darüber nicht allzu arg ärgere, versuche ich es jeden Tag auf´s Neue. Immer wieder zwischendurch werde ich dann krank, halte inne, bis ich wieder aufstehen kann, um es neu zu versuchen.

Ich frage mich also täglich, wie ich mich selbst weiter entwickeln kann, um anderen Menschen genau diese Offenheit, Empathie und vorurteilsfreie, mitfühlende, interessierte Haltung gegenüber entgegenbringen zu können, wie diese, die ich so sehr an anderen Menschen begehre und die ich durch die vielen Waldorfeinrichtungen kennen und schätzen lernen konnte. Welch ein Geschenk!
Es ist die Sprache, die bedachte, bewusste Sprache. Es ist die Kunst des Sprechens, die zu gleichen Teilen Inhalt und Wirkung erzeugt, plastische Bilder. Ruhe, es ist Geduld, bedachte Gesten, durchdachte Gesten, die ebenso eine Wirkung haben,  insbesondere für Kinder im ersten Lebensjahrsiebt.

Es ist ein fortwährender Übungsweg. Anstrengend, erhebend, konfrontierend, es ist ein Weg. Für mich lohnt er sich, denn es gibt Hoffnung, das wundervolle, strahlende Licht des eigenen Individuums mit den Strahlkräften der anderen Individuen zusammen zu entzünden. Immer mal wieder, manchmal. Und das ist der Geist, der die verbindet, die das Leben lieben.

Gesponnen, visionär…

Hey, so, jetzt mal etwas Gesponnenes, Visionäres, vermutbar Gelingendes.

Die meisten wissen, dass Waldorfschulen sehr häufig als Eliteschulen bezeichnet werden. Dass dem nicht so ist, lässt sich im Grunde ganz schnell klären, wenn man auf den Grundgedanken Steiners zurückschaut, der nämlich eine Einheitsschule für alle Kinder gründete. Unabhängig von den Einkommensverhältnissen der Eltern, unabhängig von irgendeiner Religionszugehörigkeit und unabhängig von der Kultur, aus dem die Familie stammt.

Inzwischen erlebt man doch sehr stark, dass an vielen Waldorfschulen ein anderer Geist lebt. Und der Gedanke, aufgrund dessen die Waldorfschule auch methodisch und ideell mehr in das staatliche Schulsystem zu integrieren, war der Ansatz vieler Menschen. Auch meiner, denn ich unterrichte ja an einer staatlichen Schule.

Nun merke ich allerdings, dass diese Integration zu enormen Hindernissen führt. Und diese liegen gar nicht mal nur in dem System „Schule“ oder „Lehrer“ an sich. Viel mehr liegen diese Hindernisse in den Kindern, die sich im Zuge der im folgenden beschriebenen Entwicklung von sich selbst entfernen mussten und ihre wahre Idenität verleugnen, um überleben zu können. Alle möglichen Syndrome, die heute auftreten, verdeutlichen dies.

Wenn man sich anschaut, wie Kinder heute in das Leben getrieben werden, beginnend mit der Geburt, die zu einem bestimmten Zeitraum festgelegt wird, damit das alles beruflich, zeitlich, familiär usw. auch „dazwischen passt“ (ich übertreibe bewusst!)….kann man sich lebhaft vorstellen, wie das Leben mit einem Neugeborenen heutzutage abläuft, zumindest in den meisten Fällen.
Eine natürliche Intuition, die dazu führt, dass frisch gebackene Mütter und Säuglinge sich tiefgründig verbinden, gibt es heute nicht mehr. Ganz andere Prioritäten stehen an. Zum Bespiel das Thema „Zeit“. Wie lange hat eine berufstätige Mutter heute Zeit, sich ganz auf ihr Kind einzulassen? Und hat sie währenddessen wirklich Zeit oder muss sie dafür sorgen, in dieser Zeit eine Kleinkindbetreuung zu finden, in die sie das Kind vertrauensvoll nach ihrer Erziehungszeit geben möchte? Das stresst ungemein. Wie sieht es dann mit dem Stillen aus? Es ist bekannt, dass das Stillen die beste Möglichkeit ist, dem Kind sowohl Zuneigung, als auch die optimale Ernährung zu geben, die für die Bildung eines starken Immunsystems verantwortlich ist. „Goldene Milch“ für das weitere Leben sozusagen. Ich erlebe immer weniger Mütter, die ihre Kinder wirklich über einen längeren Zeitraum stillen. Unter anderem ist es auch so, dass aufgrund des ganzen Stresses um die Weiterentwicklung der Familie und Karriere, die Michproduktion leicht stagnieren oder sogar versiegen kann. Viele Kinder werden so zwangsläufig abgestillt und Eltern sind genötigt, ihre Kinder mit industriell hergestellter Folgemilch usw. zuzufüttern oder eben ganz abzustillen. Der Kreislauf hat dann bereits begonnen. Wer kocht heute noch selbst für seine Kleinen? Meistens reicht Fertigware, die oft auch abends vom Pizzaservice gebracht wir….“um es sich einfacher zu machen, bei dem Stress“.
Ja. Danach sollte eigentlich Kindheit beginnen. Heute beginnt die in der frühkindlichen Betreuung, mit viel zu wenig Personal für viel zu viele Kinder. Ein Leben wie in einer Fabrik, oft über 8 Stunden lang. „Kindheit?“ Freies Spiel, Abenteuer in der Natur, erst dann nach Hause kommen, wenn man Hunger hat? Das gibt es alles schon längst nicht mehr.
Ich stoppe mit einer weiteren Aufzählung, weil es allen deutlich ist, wie leicht man in diese doch extrem dargestellten Muster hinein gerät. Auch Eltern, die bewusster mit der Aufgabe umgehen, stellen andere Prioritäten in den Vordergrund ihres Lebens, als die, die auch einen positiven Effekt auf das Leben als Ganzes haben könnten.
Kindheit findet nicht mehr statt, einer Beziehungskultur steht vieles im Wege. Frühzeitige Digitalisierung, die bereits im Kindergartenalter einsetzt, führt zu Störungen im ganzen Menschen und zu gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen, die bereits erahnt werden können.

Das alles will ich nicht mehr unterstützen. Tue ich es doch täglich, indem ich diese Struktur mit gestalte und damit aufrecht erhalte. Als Arbeitnehmerin, Dienstleisterin, zur Deckung der Bedürfnisse des Staates, der sich aus Kindern, Eltern und der gesamten Gesellschaft zusammensetzt und zur Deckung meines Lebensunterhaltes.

Meine Idee nun. Und die ist ziemlich extrem. Sorry, es ist eine Idee. Und ich bitte um Kommentare dazu! Manchmal brauche ich das Rütteln von Außen, um wieder auf die Erde zu kommen. Dennoch habe ich gerade nicht das Gefühl, so weit von der Erde entfernt zu sein.

Meine Vision ist es, eine Schule mithilfe eines wohlhabenden Sponsoren zu gründen, der für diese Schule brennen könnte (Yogaschulen, Meditationsschulen etc.) .

Es würde  sich um eine öffentliche Privatschule handeln.

Nur diejenigen Eltern bekämen einen Platz für ihr Kind, die sich von vornherein schriftlich bereit erklären, diese Schule für ihre Kinder wirklich zu wollen und mitzutragen.
Wir würden im Voraus ein Aufnahmeverfahren durchführen.

Das Schulgeld müssen die Eltern zum Großteil in den ersten Jahren selbst aufbringen, nach der Frist bis hin zur staatl. Unterstützung einen Teil davon.

Die Schule ist unabhängig von kulturellem oder religiösen Hintergründen. Deutsch ist die Hauptsprache, jedoch gibt es die Möglichkeit, über Englisch und Spanisch hinaus auch andere Sprachen zu erlernen.

Feste werden, bezugnehmend zu den Jahreszeiten gefeiert und ritualisiert, jedoch werden Feste bewusst offen und keiner religiösen oder kultischen Tradition unterworfen. Innerhalb des Unterrichts wird versucht, ein offenes, integrales und tolerantes Weltbild zu leben.
Ein ethischer, weltoffener, kulturverbindender Unterricht und ein entsprechend ausgerichtetes Schulleben wird angesterbt.Praktiziertes Yoga wird diesen Ansatz öffnen.

Das Gebäude / Innengelände wird entsprechend futuristisch und ökologisch entworfen und gestaltet. Es gibt im Innenbereich alle erforderlichen Klassen- und einige, große Bewegungsräume. Auch kleinere Räume für Einzelanwendungen/Heileurythmie , Chirophonetik, Heilmassagen…..Außerdem gibt es einen Malort, in dem ausschließlich gemalt werden kann. Kunst- und Werkräume, Musik- und Orchesterräume, Begegnungsräume, Cafeteria und Mensa, in dem es nur biol., fleischfreies Essen gibt.

Eine große Halle mit Bühne und Theaterbeleuchtung, auch für öffentliche Veranstaltungen, die über das Schulleben hinaus gehen.

Unterricht: In der großen Halle/Aula wird morgens mit allen Mitarbeitern und Schülern eine Stunde Yoga gemacht, anschließend  wird meditiert. Diese Praxis ist verbindlich und durch keine disziplinarischen Zwischenfälle unterbrochen! Jeder Teilnehmende verpflichtet sich, diese Stunde eigenverantwortlich und in Selbstdisziplin durchzuführen.Sollte dies nicht möglich sein, kann eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Schüler unterbrochen oder aufgehoben werden.

Erst danach findet Unterricht in den einzelnen Klassenräumen statt.
Der Unterricht orientiert sich am Waldorflehrplan Rudolf Steiners: Es findet epochaler Unterricht statt, Eurythmie und Theater haben einen hohen Stellenwert. Außerdem die Künste und ein aus dem Künstlerischen heraus gestalteter Unterricht.
In der Oberstufe wird zusätzlich mit digitalen Medien gearbeitet, um den Unterricht aus der zentralen Rolle des Lehrers heraus zu holen und auch Schüler mit weniger guten Leistungen stärker in den gemeinsamen Arbeitsprozess mit einzubeziehen.

Lehrer müssen eine Lehrgenehmigung und außerdem eine Waldorflehrerausbildung absolviert haben, bevor sie anfangen an der Schule zu arbeiten. Eine entsprechende Affinität zur Yoga-Praxis und zu den Künsten ist Voraussetzung für eine gemeinsame Arbeit.
Die Schule wächst von Klasse 1-12 hoch. Erstrebenswert ist der Beginn mit den ersten drei Klassenstufen.
Ziel ist das internationale, wenn möglich, das dem Abitur gleichgestellte Abgangszeugnis nach der 12. Klasse (hängt von der gesetzlichen Entwicklung bis dorthin ab).
Die Künstl. Prüfung in der 12. Klasse und die Jahresarbeit sind Teil und Vorleistungen für das Portfolio der Prüfung.Ansonsten ist der MSA Abschluss möglich, sowie der Abschluss der Fachhochschulreife.

Schulgelände:

Das Außengelände verfügt über Sport- und Bewegungsplätze, hat einen weitläufigen Naturspielplatz und einen großen Baumbestand. Auch ein Natursee soll dort sein.
Tiere befinden sich auf einem kleinen, selbst betriebenen Bauernhof, der ebenso in das Unterrichtsgeschehen mit einbezogen wird.
Ein umfangreiches Schulkonzept wird erarbeitet.

Die Schule ist nicht verpflichtend bis in den Nachmittag hinein zu besuchen. Viel mehr soll möglich sein, durch selbst initiierte Projekte ein gemeinsames Arbeiten in kleineren und bei Bedarf größeren Gruppen möglich zu machen.
In teams, die von Lehrern und Schülern situativ gebildet werden, wird auf demokratischer Basis gemeinsam Neues erarbeitet, um dem Ganzen zu dienen.

Hausaufgaben ergeben sich individuell.

Auch die Lehrer arbeiten in selbst zusammen gesetzten teams, die sporadisch variieren.
Konferenzen finden einmal wöchentlich statt.
Die Mitarbeit der Mittelstufen- und Oberstufenschüler ist extrem wichtig. Auch die Möglichkeit, sich im Laufe der gesamten Schulzeit als „Multiplikator“ ( Kinderlehrer für Kinder und Lehrer) einzubringen, besteht.

Ein Vorbild für diese Schule gibt es meines Erachtens nicht, bitte helft mir durch Eure Kommentare weiter, geeignete Sponsoren und interessierte Eltern zu finden.

Kommentare sind unten zu hinterlassen. Danke vielmals!

Was soll dieser Blog eigentlich? Schulzwang ade, bitte!

Du erhältst hier in meinem Blog weder irgendwelche Angebote, noch Produkte, Dienstleistungen oder „Schnäppchen“.
Warum also schreibe ich hier für Dich? Auch wenn ich damit überhaupt nichts verdiene, kein zusätzliches Einkommen erziele?

Es liegt mir am Herzen davon zu erzählen, wie ich in einer Grundschule tätig bin. Das, was ich dort täglich mit den Kindern erlebe und gestalte, ist zwar individuell, aber  nicht einzigartig!
Es gibt so viele, bewegte und beherzte Lehrer, denen das Wohl der Kinder und deren Entwicklung wichtig ist. So viele, die sich mit neuen Ansätzen beschäftigen, denen es in allererster Linie wichtig ist, das seelische Wohl des Kindes im Unterricht wahrzunehmen und Wert zu schätzen, vor allen Leistungsanforderungen.

Jeder Lehrer ist anders geprägt, aber jeder ist auf einem Entwicklungsweg. Und glaube mir, niemand möchte gerne unbeliebt oder als schrecklicher Lehrer da stehen.
Jeder Lehrer arbeitet anders. Und das ist gut. Nur, wenn man authentisch und von ganzem Herzen heraus das tut, was man für richtig hält, kommt es auch bei den Kindern an. Gerald Hüther spricht von der Begeisterung, die ein Kind empfinden kann und die es motiviert. Wenn der Lehrer begeistert ist und sich mit dem, was er darbietet und tut, im Einklang ist, dann springt der Funke auch über. Und mit Sicherheit ist es immer so, dass man als Lehrer das Bedürfnis hat, es am nächsten Tage noch besser zu machen als an diesem.

Die Flucht und die Ablehnung von Schule und Kindergarten ist ja ein Resultat aus dem Gefühl oder der Erfahrung heraus, dass ein Kind in der Schule nicht frei und selbstbestimmt lernen könnte.
Jedoch empfinden das meist die Eltern so, die sehr wenig Einblick haben in das Schulleben als Ganzes.
Natürlich gibt es vom Lehrer vorgegebene Themen und Aufgaben zu bewältigen. Diese wiederum orientieren sich aber an dem, was ein Kind entwicklungsmäßig in der Lage ist zu erfüllen. Im ersten Schuljahr gibt es demnach andere Lernschritte zu erfüllen als im 10. Schuljahr, logischerweise. Es baut alles aufeinander auf und jeder Schüler ist mehr oder weniger motiviert. Kinder, die einen begeisternden Lehrer haben, mit dem sie eine gute Beziehung aufgebaut haben, erleben ihren Schulunterricht natürlich positiver als Kinder, die vom Lehrer gelangweilt sind und kaum Bezug zu ihm haben.
Diese Dinge können im Gespräch zwischen Eltern, Lehrern und Schülern thematisiert werden.
Durch achtsame Gespräche wird in einem solchen Gespräch jeder Teilnehmende eine Erkenntnis gewinnen und es wird etwas daraus wachsen dürfen. Es wird sich also etwas verändern, hoffentlich für alle Beteiligten auch verbessern.

Ich möchte Eltern dazu ermutigen, ihre Kinder wieder mit mehr Vertrauen in staatliche Schulen zu schicken und diese nicht von vornherein zu verteufeln. Es gibt dort auch tolle Pädagogen, die ihren Auftrag ernst nehmen und ihren Beruf lieben und keinen anderen haben wollen.

Das gibt es an staatlichen  und auch an privaten Schulen.
Und das gibt es an Waldorfschulen.
Beim Freilernen gibt es das nicht. Da gibt es kaum Menschen, die einem Sorgen bereiten oder durch die man auf Widerstände stößt. Sind es nicht aber gerade die Widerstände, die uns reifer machen und uns auch weiter wachsen lassen?

Auf keinen Fall möchte ich hier die Freilerner verteufeln. Ich habe viele Kinder erlebt, die so selbstständig und „eigenwijs“ waren, dass sie Zuhause am besten lernen können oder dort, wo sie es sich eben erlauben.
Viel eher möchte ich plädieren dafür, dass jeder Mensch eine freie Wahl haben sollte, dass es keine generelle Schulpflicht geben sollte. Warum? Ehrlich gesagt wünsche ich mir motivierte Kinder, die es Wert schätzen, dass sie unentgeldlich die Schule besuchen dürfen, dass sie würdigen, dass es dort Menschen gibt, die sich für sie einsetzen und sich um sie kümmern. Wenn sie bereit sind für Schule.
Ich möchte ein Klima schaffen, in dem jeder Schüler sich eingeladen fühlt; sich auch in aller Ruhe an die Regeln halten kann, weil er sie akzeptiert und aktiv mit gestaltet.
Ein gemeinsamer Lernprozess mit vielen Kindern ist nur möglich, wenn es für alle positiv verläuft. Kinder, die dort nicht sein möchten, die möchte ich nicht länger hinterher schleifen oder überzeugen müssen, wenngleich ich selbst das noch nie erlebt habe. Und ich möchte sie auch nicht täglich reglementieren oder disziplinieren. Erleben tu´ich allerdings täglich, dass Kinder zu wenig Achtung vor den Gefühlen und Wertvorstellungen der anderen Kinder haben. Dass sie diese sehr häufig mit Füßen treten. Mangelnde Empathie und kaum Zugang zur eigenen Intuition verstärken dies.
Deswegen unterrichte ich Yoga mit meinen Schülern. Aber hey, auch hier hat es wenig Sinn, ständig zu reglementieren, zu disziplinieren und zu fordern.

Das alles ist recht mühsam und schwächend, es bringt keinen Spaß!

Wünschen tu` ich mir den Raum Schule als Chance zur Weiterentwicklung, für mich am allermeisten. Und das geht nur freiwillig.